Die moderne Fahrt
Mailand–München 2026 — Über die Alpen, auf der Linie von 1894 →
Rückblick auf die erste moderne Ausgabe: 815 Kilometer, rund 14.000 Höhenmeter, fünf Ankünfte an einer Ladentür in München.
Überblick
Vorwort
Diese Seite bündelt erstmals die zentralen Originalberichte zur Distanzradfahrt Mailand–München (1894) – die Augenzeugen-Texte von Hans Traugott Hirsch, Oswald Grüttner und Franz Gerger sowie den medizinischen Nachbericht von Dr. Speer. Wir lassen die Protagonisten der ersten Transalp selbst sprechen, belassen die historische Orthographie. Kein Feinschliff, kein Mythos-Zucker: so war’s. Warum das hier? Weil heutige Ultras nicht im luftleeren Raum stehen.
Die Texte zeigen, was Radfahren damals bedeutete: eine Ausdauerprüfung auf schlechtesten Straßen, mit Schiebepassagen, Stürzen und improvisierter Verpflegung. Sie tranken Wein, Selters oder Schnaps, aßen Suppe, Brot, Eier – nicht aus Genuss, sondern um weiterfahren zu können. Regen, Hagel und Schlamm gehörten dazu wie die Müdigkeit. Der Brenner war kein Symbol, sondern eine konkrete Mauer aus Kälte, Dunkelheit und Steigung.
Wer die Zeilen liest, erkennt sofort Parallelen zu heute: dieselbe Zähigkeit, dieselbe Konzentration auf das Nötigste, dieselbe Einsamkeit auf langen Kilometern. Der Unterschied liegt im Werkzeug und in der Deutung. 1894 war der Schnaps Mittel gegen Erschöpfung, heute sind es Gels und Elektrolyte; damals war Schieben Teil des Weges, heute gilt es als technischer Defekt. Um 1900 wurde das Publikum mit Telegrammen und mehreren Zeitungsaufausaben pro Tag auf dem Stand gehalten, heute erledigt dies Dotwatcher. Die Fahrer fuhren ohne GPS, ohne Begleitvan und Gepäckservice, ohne Membranjacken, und doch mit einem Bewusstsein für Distanz, das sich kaum verändert hat.
Gerade darin liegt der Wert dieser Quellen. Langdistanzen sind nicht neu, Distanzradfahrten haben auch im deutschsprachigem Raum eine lange Geschichte. Sie zeigen, dass Ausdauer, Pragmatismus und Haltung zeitlos sind – und dass jede moderne Langstrecke, ob mit Carbonrahmen oder Bikepacking-Tasche, auf denselben Grundelementen ruht: Körper, Kopf, Entscheidung.
Diese Berichte sind kein Showroom, sondern Fundament. Wer sie liest, begreift, dass das „Unsupported“ keine Mode ist, sondern nur eine andere Sprache für dasselbe Abenteuer.

Was ihr in den Texten bekommt:
- Hirsch (zwei Folgen, vollständig): Erkundungsfahrten, Grenz-Theater, Start in Mailand, Brenner bei Nacht, Sturz vor Sterzing, Überfall bei Aßling. Nüchtern, detailreich, ohne Heldenton.
- Grüttner: Defekt, Regen, Schmutz, Brennerschnee, Verfolgung bis knapp hinter Hirsch. Zeitenliste inklusive – belastbar und konkret.
- Gerger: Sturz hinter Fischer, Kettenriss, Ersatzrad, zähes Durchkommen und das klare Urteil über die „bodenlose“ Schlussstrecke vor München.
- Dr. Speer: Medizinische Momentaufnahme im Ziel (Puls, Gewichte, Zustände). Ergebnis: trotz Hagel, Kälte, Schlamm – „vorzügliche Verfassung“.
Warum das zählt – auch heute:
- Realistische Bezugsgröße: 590–600 km, Brenner als Kernhürde, Wetter als Mitspieler. Die Berichte legen die Latte, an der ihr eure moderne Route (hochalpiner, einsamer, teils über 2200 m) ehrlich messen könnt.
- Material vs. Mensch: 11–16-kg-Räder, starre Übersetzungen, Wolle statt Membran – und trotzdem sub-35-Stunden-Zeiten. Kein Romantisieren, nur Respekt.
- Ambivalenz gehört dazu: 1894 war nicht nur Glorie. Es gab Proteste, Gerüchte um „Ziehen“, widersprüchliche Zeugnisse – und am Ende juristische Nachspiele. Mythos ohne Makel ist PR, nicht Geschichte.
Kurz: Lest die Quellen, nehmt sie ernst – und fahrt eure eigenen Distanzradfahrten mit klarem Blick: fordernd, schön, aber nie harmlos. München-Mailand ist vielleicht aktueller denn je.
Die Münchener Radfahrer-Woche
Aus: Radfahr-Humor, München, Juni 1894
Die internationale Distanzfahrt Mailand–München brachte schon am Montag (11. Juni) die sonst nicht so leicht erregbaren Münchener in ganz gewaltige Aufregung. War es schon der kühne Gedanke einer Distanzfahrt von Italien nach Deutschlands Süden, Bayern, die Überquerung des riesigen Alpenpasses, der 1400 m über dem Meere ragenden Brennerhöhe, welche das Interesse nicht nur der Radfahrerwelt, sondern auch des Laienpublikums im hohen Grade wachrief, so verlieh der Umstand, dass S. kgl. Hoheit Prinzregent Luitpold von Bayern, der hohe Gönner unseres Sports, sein huldvolles Wohlwollen durch Stiftung eines prachtvollen Ehrenpreises aufs neue bekundet hatte, diesem Unternehmen einen ganz besonderen Wert. Dazu kam noch, dass zwei der besten Dauerfahrer, Fischer und Reheis, Mitglieder Münchener Radfahrvereine, die sich durch ihre großartigen Leistungen einer besonderen Popularität erfreuen, an der Distanzfahrt sich beteiligten und man anderen Erfolgen mit der größten Spannung entgegensah. Die beiden Favoriten haben die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht getäuscht. Ein vorzüglich geordneter Depeschendienst, der diesem regen Interesse des Publikums in höchst anerkennenswerter Weise Rechnung trug, hielt dasselbe durch rasche, prompte Bekanntgabe aller eintreffenden Depeschen stets auf dem Laufenden über den jeweiligen Stand des Wettbewerbes. Große Plakate verkündeten in entsprechenden Zwischenräumen die Ankunft der Ersten auf den Hauptstationen; in einer Reihe von Telegramm-Ausgabestationen waren die eingetroffenen Nachrichten zur allgemeinen Kenntnisnahme ausgehängt, stets umlagert von der erregten Menge. Die Distanzfahrt war das allgemeine Tagesgespräch.
Der Start in Mailand
In Mailand waren die Teilnehmer an der Distanzfahrt – 46 von 49 Gemeldeten, eine ganz besonders bemerkenswerte Tatsache – schon um 6 Uhr an der Porta Romana zum Starte versammelt; um 7 Uhr sollte die Abfahrt nach Erledigung aller noch nötigen Geschäfte stattfinden, doch verzögerte sich dieselbe, und erst um 7:35:05 trat die erste Gruppe, 20 Mann, von dem 3 km von Mailand entfernten Rogeredo ihre Fahrt an; 7:39:45 folgte die zweite Gruppe, 20 Mann; 7:45 Uhr die letzten 6 Mann. Eine zahlreiche Volksmenge rief den kühnen Fahrern ihre Glückwünsche zu. Es war ein herrlicher, sonnbeglänzter Morgen; der Staub lag in dichten Mengen auf der Straße und verhüllte die im raschesten Tempo dahinsausenden Radler im Nu. Nicht genug können unsere deutschen Kameraden von der außerordentlichen Liebenswürdigkeit der italienischen Bevölkerung sprechen, die ihnen in allen Flecken, Dörfern, Villen, Städtchen und Städten entgegengebracht wurde. Erfrischungen aller Art – Kirschen, Erdbeeren und andere Früchte, Wein – standen überall, wo sie durchkamen, für sie bereit; mit Jubelrufen empfangen, mit duftenden Blumen überschüttet, zogen sie durch die herrliche Po-Ebene dem Brenner zu, immer bei schönem Wetter bis 4 km vor Bozen; dort brach ein heilloses Wetter los, das sie nun in mehr oder minder starkem Grade auf der ganzen weiten Tour begleitete.
Organisation und Verlauf
Einstimmiges Lob herrschte über die vorzügliche Organisation der Erfrischungsstationen auf der ganzen Strecke, über den musterhaften Kontrolle-, Posten- und Schrittmacherdienst, über das herzliche, liebenswürdige Entgegenkommen der Bevölkerung nicht nur in Italien, auch in gleicher Weise in Tirol und Bayern, wenige Ausnahmen abgerechnet. Über den Verlauf der Fahrt selbst haben wir bereits in der Extrabeilage unserer Nummer 73 durch Wiedergabe aller in der Zielstation eingelaufenen Nachrichten ausführliche Mitteilung gebracht und nehmen hier auf dieselbe Bezug.
In München hatte sich schon am Montagabend in Steinhausen trotz des miserablen Wetters eine große Anzahl Wissbegieriger, zumeist Sportkameraden, eingefunden, die, im Saale des Schützenhauses bei Konzert versammelt, mit fieberhafter Ungeduld der eintreffenden Nachrichten harrten, die alle mit dem größten Jubel entgegengenommen wurden; das Konzert war ihnen Nebensache, man merkte eigentlich gar nicht, dass es schon längst beendet war, und saß immer noch im anregendsten Gespräche beisammen; erst der herandämmernde Morgen lichtete die Gesellschaft, viele harrten standhaft aus, sie wichen nicht, bis sie nicht wenigstens die Erstankommenden begrüßt hatten.
Schon am frühen Morgen des nächsten Tages (Dienstag, 12. Juni) verkündeten Riesenaffichen, dass Fischer als Erster Brennerbad, die Höhe des Brenners, um 1 Uhr 10 Minuten morgens passiert habe. Damit glaubte man den Sieg Fischers als feststehend, und das ganze Interesse konzentrierte sich nun zunächst auf Fischer. Eine nach Tausenden zählende Volksmenge zog schon in den ersten Vormittagsstunden nach dem 3,7 km von München entfernten Ziele, dem Schützenhause in Steinhausen; die strömenden Regenschauer, die in Zwischenräumen herunterprasselten, konnten ihr zum Enthusiasmus angewachsenes Interesse nicht dämpfen, nicht zurückdrängen; immer mehr und mehr wuchs die vor dem Ziele sich stauende Menge; die Lokalitäten des Schützenheims waren längst besetzt, auf der Straße nach Trudering, auf der die Teilnehmer an der Distanzfahrt eintreffen mussten, bis kilometerweit hinaus zum Bahnübergang stand die dichtgedrängte Menge.
Der Zieleinlauf
Gegen 12 Uhr mittags meldete ein Telegramm, dass Fischer um 11 Uhr 50 Minuten vormittags Kirchseeon passiert habe; dann machte sich eine Fahnendeputation des Clubs, dem Fischer angehört, der „Germania“, auf den Weg, Fischer entgegen; die Menge schwoll immer mehr und mehr, die Ordnungsmannschaft wie die aufgebotene Gendarmerie war trotz aller Mühe nicht imstande, den Straßenkörper genügend frei zu halten, nur ein schmaler, freier Straßenstreifen zog sich durch die kolossale Menge, die links und rechts der Straße sich postiert hatte und die auch der ab und zu niederströmende Regenschauer nicht zum Weichen, nicht zum Wanken bringen konnte. Die rückkehrende Fahnengruppe meldete, dass Fischer sofort eintreffen werde. Kolossale Bewegung in der sich drängenden Menschenmenge! Da fuhr er auch schon herein im strammen Tempo, der Sieger der Distanzfahrt, der Held des Tages! Der Jubel, das tosende „All Heil!“-Rufen, das nun folgte, ist unbeschreiblich! Fischer, dessen Haupt nun ein Eichenkranz schmückte, begab sich sofort zur Kontrollstation. Die Menge flutete auch in den abgeschlossen gehaltenen Garten; an ein Ordnunghalten war nicht mehr zu denken. Fischer war in bester Kondition; nach der Erledigung der Kontrolle wurde er sofort ins Badezimmer gebracht, dessen Eingang förmlich belagert war. Nach kurzer Ruhe begab sich Fischer in den großen Restaurationssaal, und nun ging’s erst recht an ein Händedrücken, Gratulieren und Interviewen. Wir haben Fischer im Badezimmer nur rasch die Hand drücken können. „Hätt’ i’ nur an anders Wetta g’habt“, sagte er, „in 26 Stunden hätt i’ da sei’ müss’n! Aber bei dem Wetta!“ Fischers und seiner Genossen Erlebnisse auf dieser Fahrt, soweit sie uns bekannt wurden, werden wir in unseren nächsten Nummern wiedergeben. Etwa 1½ Stunden nach Fischer traf Reheis als Zweiter, 2:38:30, frisch und munter ein, ebenso umjubelt, begrüßt, bekränzt und interviewt wie Fischer.
Auch Grüttner war 5 Uhr 54 Minuten 50 Sekunden abends – wie überhaupt alle eintreffenden Teilnehmer an der Distanzfahrt – in bester Verfassung eingetroffen. Man wog seine Kleidung; die leichte Bekleidung eines Dauerfahrers wog, durchnässt und voll Schmutz, wie sie war – neun Kilo!
Das Ende der Fahrt
Jetzt trat eine längere Pause ein; der nächst Erwartete konnte nach den eingetroffenen Telegrammen vor halb 8 Uhr nicht eintreffen: es war der erste Italiener, Trifoni. Auf der Straße harrte immer noch trotz des Hundewetters eine ansehnliche Menschenmenge; drinnen, in der vollgepfropften Saalrestauration des Schützenhauses, spielte die engagierte Regimentsmusik ihre flotten Weisen. Harrend blieben die begeisterten Anhänger unseres Sportes auf die Ankunft der Nächsten. Um 7 Uhr 44 Minuten 10 Sekunden abends traf nun Trifoni, der erste Italiener, ein; er hatte in Rosenheim eine Stunde geruht. Die Umgegend von Steinhausen birgt eine Reihe von Ziegelbrennereien, die eine ganze Kolonie von Italienern beschäftigt; diese hatten es sich nicht nehmen lassen, ihrem schneidigen Landsmanne eine Ovation zu bringen; so waren sie zahlreich zum Ziele geeilt und begrüßten Trifoni mit jubelndem „Eviva!“. Dann folgte Costa, 9 Uhr 26 Minuten; dann Fr. Heine, 10 Uhr 40 Minuten 10 Sekunden, der letzte der am Montag Eintreffenden. Montoison und Mazzucotelli waren in Raubling über Nacht geblieben, fünf andere Teilnehmer in Kufstein.
Reckzeh wurde noch bestimmt erwartet. Er war von Schlink, seinem Schrittmacher, begleitet, längst von Rosenheim abgefahren; zweimal fuhren ihm von Steinhausen aus Schrittmacher entgegen; auf der ganzen Strecke keine Spur von Reckzeh. Man nahm an, dass er gleichfalls unterwegs Nachtquartier genommen habe.
Es war jetzt ruhig geworden; die Menge hatte sich verlaufen; nur die Herren vom Kontrolle- und Postdienst, die Sanitätswache, die Badewärter, der Telegraphenbeamte, der jourhabende Arzt Dr. Wacker und unsere Redakteure W. Hildebrand und Rittinger, die für diese Nacht den Ausschussdienst versahen, weilten noch in den jetzt so stillen Räumen.
Da traf 1 Uhr 33 Minuten 30 Sekunden früh (Mittwoch, den 14. Juni [so im Original; der Mittwoch war der 13. Juni, entsprechend verschieben sich die folgenden Daten um einen Tag]) noch Reckzeh mit seinem Schrittmacher ein; er hatte den Weg verfehlt, war auf die Wasserburger Strecke geraten und konnte sich erst spät wieder zurechtfinden. Auch Reckzeh befand sich ganz munter und erzählte uns nach seinem Bade und der Massage – wie sie jedem zuteil wurde – von den Eindrücken der Fahrt; er blieb, gleich Heine, im Schützenhause, um sich auszuruhen, während sein Schrittmacher in der Stadt Quartier nahm. Dann folgten in mehr oder weniger großen Abständen die Teilnehmer, welche noch innerhalb 55 Stunden die Strecke Mailand–München per Rad zurückgelegt hatten.
Bezüglich des Gesamtresultates verweisen wir auf die nach offiziellen Berichten zusammengestellte Übersichtstabelle, Seite 1608 dieser Nummer.
Ganz besonderer Erwähnung sei hier der unermüdlichen Thätigkeit des Leiters des Telegraphen- und Telephondienstes, Herrn Telegraphenexpeditor Brummer, und seiner Herren Assistenten getan, deren aufopfernder, unverdrossener Liebenswürdigkeit es zu danken ist, dass die Unmasse von ein- und abgehenden telegraphischen und telephonischen Mitteilungen mit so staunenswerter Schnelligkeit und Promptheit erledigt wurden. Zu ganz besonderem Danke ist ihm die Presse verpflichtet.
Mittwoch, der 14. Juni, war der Ruhe gegönnt! Abends fand zwanglose Zusammenkunft der Radfahrer in der Isarlust statt, die zahlreich, auch von den Teilnehmern an der Distanzfahrt besucht war und bei Musik und Toasten äußerst animiert verlief.
Den festlichen Schluss dieses so vorzüglich arrangierten und gelungenen Sportunternehmens bildete der Festabend im Kil’s Kolosseum am Donnerstag, den 15. Juni. Der reich dekorierte Saal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Nach drei einleitenden, von der Kapelle Jäger in gewohnter vorzüglicher Weise exekutierten Musikstücken mit vorwiegend österreichischen und italienischen Weisen erhob sich der Vorhang, und im duftigen Rahmen grünen Pflanzenschmuckes, da stand das liebe, herzige Münchener Kindl und grüßte die Gäste in fröhlicher, humorvoller Art:
„Grüss Gott! Es hat mich sehr gefreut,
Als ich erfuhr zur rechten Zeit,
Dass in des Kolosseums Räumen
Ein seltnes Fest; da gab’s kein Säumen
Für mich, und mit raschem Schritt
Eilt’ ich hierher in Eure Mitt’.
Nun, Gott zum Gruß, liebe Brüder und Schwestern
Vom Rade, wir kennen nicht erst seit gestern
Uns, sind alte Bekannte.
Gar manchen kenn’ ich, der vordem rannte,
Auf leichtem Rade die Bahn durchmaß,
Manche Meisterschaftsmedaille besaß,
Der hockt jetzt daheim, muss Kinder wiegen;
Man kann doch nicht stets auf der Rennbahn liegen.
Im Winter, wenn draußen die Wege verschneit
Und das Radfahren keine besondere Freud’,
Da fand ich vom Sommer den feschen Renner
Als Saalfahrer, und als feiner Kenner
Der saubersten Madeln entpuppt sich der Mann,
Auch im Tanz hat er schneidig sich vorgetan.
Was da oft poussiert wird, ist nicht zum Beschreiben,
Die Radler werden’s wohl immer so treiben.
Doch dass sie neben dem Wein und dem Lieben
Dem Radfahrsporte sind treu geblieben,
Das hört’ ich erst neulich und staunte sehr:
Jetzt fahren sie gar von Mailand her,
In einem Tage, hoch über den Brenner!
Alle Achtung! Das nenn’ ich Renner!
Zwar möcht’ ich für mich ein solches Vergnügen
Nicht durchkosten; das Durchfliegen
Einer schönen Gegend ist ja recht nett,
Dreißig Stunden im Sattel – Sie, das is a G’frett.
Und denk’ ich den Hunger, den Regen, den Durst –
Vorbeifahren am Wirtshaus, kein Bier, keine Wurst,
Nur rennen und hetzen tagein und tagaus –
Da bleibt mir beim Denken der Schnaufer fast aus.
Von Mailand nach München zehn Einkehren bloß,
Und da nur ein Beefsteak, und das ohne Sauce,
Ein klein’s Glasl Wein, Limonade, Syphon –
Und das nennen’s nachher „Erfrischungsstation“!
Na Freundl’n, da dank ich, da thu ich nicht mit,
Bleib sauber daheim, strapezier’ mich nit.
Doch gefreut hat’s mich sakrisch, dass d’ jungen Leut’
Ham auf so a G’schicht a teuflische Schneid’!
Und gut ist’s gangen, ich gratulier’!
Zum Dank gibt’s jetzt wieder Münchener Bier.
Die erst’ Mass Bier nach soviel Plag –
Herrgott! Die schmeckt, das ist keine Frag!
Die trinkt nicht nur der Münchner gern,
Von dessen Durst man stets kann hör’n.
Könnt’ man da mal Distanzfahrt halten,
Manch’ schön’ Talent würd’ sich entfalten,
Und mancher Bruder aus dem Reich
Erwies sich da dem Münchner gleich.
Ein Sieger würd’ vielleicht erkoren,
Der nicht in Bayern ward geboren.
Und von dem Rennen, hab’ ich gehört,
Habt Ihr Freunde mitbracht, gar lieb und wert,
Aus Italien, aus Deutschland, aus Österreich –
Recht so, Ihr Radler, das freut mich von Euch!
Gott grüss Euch, Ihr Herren! Seid herzlich willkommen,
Als Freunde seid freudig Ihr aufgenommen;
Lasst Euch’s wohl sein bei uns in der Münchner Stadt,
Nochmals: Grüß Gott, Ihr Herren vom Rad!
Weilt gern und lang in meinen Mauern,
’S gibt viel zu sehen, nicht nur für Bauern;
Nein, im Gegenteil, gerade für Herren von Geschmack;
Da ist zum Beispiel die Gallerie Schack,
Die Glyptothek und das Hofbräuhaus,
Auch auf die Keller dürft Ihr hinaus,
Ins Hoftheater zum Lohengrin,
Dann müsst Ihr zum Schyrenplatze ziehn,
Wo der älteste Velociped-Club der Welt
Ein fröhlich Jubiläum hält.
Aber vorsichtig sein müsst Ihr in der Stadt,
Wenn Ihr sie besichtigt auf Eurem Rad.
Ein Gürtel von Straßen sie eng umschließt,
Wo der Radfahrer Freiheit nicht mehr genießt;
Es schreibt ihn da auf, ohne Gnad’ und Pardon,
Der Herr Gendarm zur Exekution.
Nur so Ihr zu Mars, dem Kriegsgotte, schwört,
Er das Radeln im Innern Euch auch nicht verwehrt.
Der herzige, packende Ton, den das Münchener Kindl, die liebenswürdige Gattin unseres wackeren Sportkameraden und unermüdlichen Vorsitzenden vom Festausschusse, Dr. Speer, in seinen reizenden Vortrag zu legen wusste – der hat gezündet! In lautem Jubel dankten die Radgenossen für diesen prächtigen Willkomm und riefen das liebe Münchener Kindl wiederholt auf die Bühne!
Dann trat der II. Vorsitzende des Festausschusses, F. M. Rittinger, vor die Versammlung mit folgenden Worten:
Ein großes Sportereignis liegt hinter uns, wohl das größte, das je auf unserem Kontinente sich abspielte. In kühner Fahrt sind schneidige Radfahrer Italiens, Österreichs, der Schweiz und Deutschlands von der herrlichen Domstadt Mailand über den hochragenden Alpenpass, den Brenner, zu uns herbeigeeilt nach München, der bayerischen Metropole. Es war ein ritterliches Ringen, es war ein ernster, heißer Kampf unter den Besten unseres Sportes, deren diese Länder sich berühmen. Und ihnen allen voran Fischer, der Meister unter diesen Meistern. Dank, großen Dank sagen wir allen diesen verdienten Männern, die unter so schwierigen Verhältnissen diese Fahrt vollendet und in einer Zeit zurückgelegt haben, die einzig dasteht in den Annalen unseres Sportes, die durch diesen ihren edlen Wettstreit in so reichem Maße beigetragen haben zur Förderung, zur Verbreitung unseres Sportes.
Gleich großen Dank und Anerkennung zollen wir den lieben Sportgenossen, die mit unermüdlichem Eifer uns in diesem großen Unternehmen unterstützt, den wackeren Schrittmachern, den opferfreudigen Kameraden von der Kontrolle und vom Postendienst. Allen, die uns mit reicher Hilfe, die uns mit so reichen Spenden unterstützt und unser Unternehmen gefördert haben – allen hochverehrten Freunden und Gönnern unseres Sportes, den hohen Behörden, der Presse, unseren lieben Sportgenossen – unseren besten und wärmsten Dank.
Allerhöchste und höchste Huld ward unserem Sporte überall in wohlwollender Anerkennung seiner großen Bedeutung zuteil. Auch hierfür zu danken ist unsere Pflicht. Die erhabenen Herrscher, deren Länder die Distanzfahrt durcheilte, sie haben des Öfteren huldvolle Beweise ihrer kaiserlichen, königlichen Gnade gegeben, dass sie unserem Sport mit hohem Wohlwollen zugetan sind, und wir wollen diese Gelegenheit nicht versäumen, auch hier unserer heiligsten Dankespflicht zu genügen und wollen sie zusammenfassen in einem donnernden:
All Heil ! Sr. Maj. dem König Humbert von Italien,
Sr. Maj. dem Kaiser Franz Josef von Österreich,
Sr. Maj. dem deutschen Kaiser,
Sr. königlichen Hoheit dem Prinz-Regenten Luitpold von Bayern –
ein kräftiges, dreimaliges donnerndes „All Heil!“
Stürmischer Jubel durchbrauste den Saal! Huldigungstelegramme übermittelten sofort diese Ovation, die S. Maj. König Humbert von Italien mit folgender Depesche zu beantworten geruhte:
Dem Hauptausschusse der internationalen Distanzfahrt Mailand–München in München.
S. Maj. der König von Italien hat das Telegramm empfangen, welches ihm die Radfahrer gelegentlich der internationalen Distanzfahrt Mailand–München gesandt haben. Im Namen Sr. Majestät bitte ich Sie, allen versammelten Radfahrern in München seinen huldvollsten Dank auszusprechen.
Der Minister des kgl. Hauses.
Der I. Vorsitzende des Hauptausschusses, Rob. Tochtermann sen., beglückwünschte nun die Teilnehmer an der Distanzfahrt und nahm sodann die Preisverteilung vor. Die 19 Preisträger wurden von der Versammlung stürmisch begrüßt und von dem Münchener Kindl je mit einem Eichenkranze geschmückt.
Nun folgte der unterhaltliche Teil – die Variété-Vorstellung! Den humoristischen, beifallumrauschten Liedervorträgen des um die Distanzfahrt hochverdienten Telegraphen-Expeditors Herrn Brummer folgten die großartigen Übungen der Parterre-Akrobaten-Truppe Cajetanos, deren drei Mitglieder, Amateure von seltener Gewandtheit, reichsten Beifall ernteten. Diese drei Herren – Cajetan Dreisser, Nikolaus Rampftl und Hans Hötzl – führen wir unseren Lesern gleichfalls im Bilde vor (S. 1601).
Eine Vorführung seltener Art bot der Kautschukmann Max Gebhart, der als Amateur sich keck an die Seite der besten Artisten dieses Genres stellen darf. Auch ihm wurde mit reichem Beifalle gelohnt, wie er auch Herrn Emil Kneiss als Schnellmaler zuteil wurde. Den Schluss dieser gelungenen Variété-Vorstellung bildete das originelle „Münchener Radler-Terzett auf Reisen“ der Herren Strasser, Bauhofer und Professor Knabl, deren musikalische und humoristische Vorträge mit den reizenden italienischen Liedervorträgen der als Albergo-Wirtin mitwirkenden Frau Kaiser ein reizendes Ensemble bildeten. Wohlverdienter, reicher Applaus lohnte auch diese prächtige Leistung. Herzlichen Dank allen Mitwirkenden. So schloss der Festabend, mit ihm die Reihe der Veranstaltungen gelegentlich der Distanzfahrt Mailand–München. All Heil!
Erlebnisse eines Distanzfahrers: Von Hans Traugott Hirsch
Vollständig nach dem Original übertragen (Radfahr-Chronik, München, Nr. 76 und 77, Juni 1894). Orthographie und Zeichensetzung folgen dem Druck; Anführungszeichen sind vereinheitlicht.

Leipzig, den 19. Juni 1894.
Es war wenige Tage vor Nennungsschluss, da lag ich noch friedlich auf meinem Lotterbett und dachte nicht daran, dass es mir vergönnt sein würde, an dieser internationalen Distanzfahrt teilzunehmen! Sie interessierte mich ja wohl lebhaft, führte doch der grösste Teil des Weges durch jene herrliche Gegend, für die seit drei Jahren eine Urlaubstour fertig durchgearbeitet im Schranke lag, aber da ich erst seit kurzer Zeit in einem neuen Wirkungskreise thätig war, glaubte ich nicht, dass mir ein Urlaub dazu genehmigt werden würde. Der Störenfried meines Seelenfriedens war mein Freund, Club- und derzeitiger Hausgenosse Willy Tischbein, der sein Rennbahntraining hier durchmachte: »Hans Traugott, warum Ihr eigentlich nicht mitfahrt, verstehe ich nicht!« »Ja, Kleiner, das geht halt nicht; Urlaub kann ich nicht nehmen, die neue Rekordmühle ist auch noch nicht da, also muss ich schon hier bleiben!« »Na! Ihr könntet doch wenigstens mal versuchen, ob’s mit dem Urlaub nicht geht, denn wegen Maschine braucht Ihr Euch doch nicht zu sorgen, dafür wird schon Rat geschafft!« Nun, mit dem Urlaub ging’s gut, als Stichprobe fuhr ich am 27. Mai noch eine Tour von 325 km in 17 Stunden, 240 km in 11 Stunden 55 Minuten; so wurde denn gemeldet und am Sonnabend den 2. Juni abends gab’s auf dem Bayerischen Bahnhof in Leipzig ein »Fröhliches Wiedersehn!« Willy Tischbein und Paul Brodtmann fuhren als Schrittmacher mit nach München, unterwegs wurden die schönsten Pläne ausgeheckt, wie schön wir vorher die Strecke abfahren und die herrliche Gegend mit aller Ruhe geniessen wollten! In München begaben wir uns zuerst zum »Radfahr-Humor«, in dessen Redaktionslokal – es war Sonntag – wir die Redakteure leider nicht trafen, dann zum Oberhaupt des Komitees, Herrn Tochtermann sen., der uns eingehend instruierte, wie schön alles bezüglich der Zollangelegenheiten zu erledigen sei. Dass nicht alles so schön und gut war, wie er sich’s gedacht, daran tragen die Sportkameraden jenseits der Schneegipfel wohl allein die Schuld, bei denen das, was wir hier unter Sport verstehen und hochhalten, noch einem kleinen Wickelkinde gleicht, das geraume Zeit brauchen wird, um sich recht und richtig zu entwickeln! Von Tochtermann aber Trab-Trab ins – Hofbräuhaus, der Durst war da und fand auch seine Befriedigung! Dann aber litt es Hans Traugott nicht länger in den Mauern der Stadt, er hatte vorher schon einen kleinen Lichtblick auf die Schneegipfel im Süden erwischt, die Schrittmacher, deren Maschinen nicht angekommen waren, befanden sich in guter Obhut unseres Gauvorstandes Rittinger, so wurde denn auf den bewährten Rat bis Rosenheim mit dem »Grossen Bruder« Freundschaft geschlossen, und um ¾6 Uhr zog ich einsam meine Strasse gen Kufstein dahin; wie weit es gehen würde, das wusste ich noch nicht! Es ging aber auch »schuh schön«, wie wir hier sagen, das Wetter hatte sich aufgeklärt, ein leichter Wind blies im Rücken, dazu die ewig grossartige Natur, das gewaltige Kaisergebirge, trotzig das Thal scheinbar ganz absperrend, sodass man unwillkürlich grübelt, wo dort wohl die Strasse sich durchwinden möge; das alles zu schildern, ist hier weder Raum noch Zeit. Die Zollangelegenheit in Kufstein hatte sich sehr schön und glatt erledigt, so ging’s nach einem guten Abendbrot weiter in den dämmernden Abend. Wörgl war noch zu wenig, also weiter, kurz vor Kundl musste ich die Laterne anbrennen, und da die Strasse rillig und schlechter wurde als bisher, blieb ich lieber gleich zur Nacht in Kundl. Das Bier und ’s Bett war gut beim Neuwirt und scheusslich billig! Am nächsten Morgen früh 6 Uhr sass ich schon wieder im Sattel. Zu Innsbruck in den Stadtsälen Frühstücks- und Postkarten-Pause, dann an den heiklen Punkt der Tour, den Brenner! Und siehe da, es ging besser, als ich gedacht, nur vor Brennersee ca. zehn Minuten Schiebung, sonst half die zähe Kraft glatt weg bis hinüber nach Sterzing, wo ein schönes Mittagmahl für die Anstrengung belohnte; in Brixen kurze Kaffeepause mit einem liebenswürdigen Kollegen aus München, der sich mit zwei auf der Strecke trainierenden Italienern abmühte, deren Deutsch so mangelhaft war wie unser Italienisch, dann weiter hinunter durch Klausen, Waidbruck gen Bozen. 10 km vor Bozen habe ich noch eine Stunde Aufenthalt durch eine Pneumatikreparatur und will doch gern noch einen Abstecher nach Meran machen, von dessen Schönheit mir schon soviel Kunde geworden! Auf der Distanzkarte ist’s nicht mehr enthalten, der Schätzung und erhaltener Auskunft nach sind’s 15–20 km, also flott durch Bozen hindurch, dass ich noch bei Tageslicht das Endziel erreiche! Die Kilometersteine zeigen 15, 17, 20 km, noch ist nichts zu sehen und zu hören von Meran, der Weg ist der richtige, wie ich aus der Antwort der Leute höre, also weiter, endlich nach beinahe 30 km ist’s erreicht, hinüber über die Brücke, schnell eine ordentliche kalte Abreibung – es ist schon merklich heiss hier unten – ein kräftiges Nachtmahl und dann noch ein wenig hinaus ins Freie, lieblich tönt die Kurmusik von der Promenade am Flusse her und vermischt sich mit dem Brausen und Toben der Etsch, die sich ungeduldig zwischen den Felsblöcken hindurchzwängt, um hinunter nach dem sonnigen Italien zu gelangen; das alles ist schön, aber ich hatte bei der Einfahrt kurz vor der Brücke ein Zauberwort entdeckt, das hiess »Löwenbräu«, dort trank ich denn in aller Beschaulichkeit meinen Abendschoppen; denn den leiste ich mir nach anstrengender Tour auch im Training – nur am Tage sehe ich den edlen Gerstensaft mit Heroismus an mir vorübergehen – und kroch dann zufrieden ins Nest.
Der frühe Morgen zeigte mir die herrliche Natur, in die sich Meran mitten hineingebettet hat, noch in aller Frische, dann fuhr ich wieder zurück auf die Hauptroute nach Bozen und weiter nach Salurn, wo Frühstückspause abgehalten wurde; der Tag war sehr heiss; auch blies der für die Distanzfahrt selbst so angenehme Südwind bereits kräftig das Thal herauf und machte die Fahrt immerhin beschwerlich! Um ¼12 Uhr war ich in Trient, ein liebenswürdiger Oberlieutnant begleitete mich, als ich nach dem Flussbad frug, selbst nach der Militär-Badeanstalt, der einzigen ihrer Art in der Hauptstadt Südtirols; nachdem erquickte mich ein ebenso köstliches Mittagsmahl im Hotel Europa; dann liess ich mir vom »Grossen Bruder« nach Ala in ergiebigster Weise schrittmachen; die Grenze aber wollte ich auf der Landstrasse selbst passieren und alle Formalitäten genau kennen lernen, die bei der Fahrt von Wichtigkeit sein konnten. Die Sache ging an der österreichischen Station in Borghetto schön und glatt von statten, über das Zurückpassieren war ich hier von vornherein beruhigt, also weiter! Noch ein Stück Weges dahin zwischen den Weinbergsmauern, über die rechts und links die hohen Berggipfel neugierig herüberschauen, dann winkt der italienische Grenzwächter »Halt!« und ich steige im ruhigen Bewusstsein dessen, dass die Sache nicht schlimm werden kann, vom Rösslein! Mangelnde Sprachkenntnis – erste Schwierigkeit; endlich mache ich die Entdeckung, dass ein kleiner, intelligenter Venetianer so viel Französisch versteht, dass ich ihm das Nötige auseinandersetzen kann! »Distanzfahrer auf der Tour, Signore Parisi von Ala wartet in Peri auf dem Zollamt, bis ich passiere, also lasst mich ‚mal dahinradeln!« Ja der Deubel traue solchem Stahlross, das schwimmt schliesslich doch über die Etsch oder klettert über die Berge, also: »Una escorta«, und nun, Hans Traugott, marschiere ‚mal – 15 sagten sie, es waren aber reichlich 40 Minuten – im glühenden Sonnenbrand zwischen den engen Weinbergsmauern bis zum Hauptzollamt, das ist auch ein ganz gutes Training! Na, ich habe wenigstens die Genugthuung gehabt, dass ich der braven Eskorte die Beine gehörig lang gezogen habe, ihr wurde höllisch warm, mir aber auch! In Peri ging’s einigermassen glatt ab. Der brave Parisi, der sich der Mühe des Verbürgens unterzogen hatte, brachte mit echt italienischer Lebhaftigkeit dem Zöllner das Nötige bei und nachdem wir noch eine Flasche Tirolerwein, ich natürlich nur mit Gazosa, geleert, zog ich meines Weges fürbass! Vor mir wusste ich einige Italiener, die von Ala bis Peri schlauer Weise mit der Bahn gefahren waren, was ich nur jedem anempfehlen kann, der auf diesem Wege nach Italien hinein will, doch machte ich keine grossen Anstrengungen, sie einzuholen, da ich sie ca. ¾ Stunde voraus wusste! Auf einmal, bei Ceraino, finde ich sie, emsig pneumatikflickend an der Strasse; ich wartete, da einer von ihnen, Delmont, französisch sprach, bis sie fertig waren und fuhr, zum erstenmal seit Rosenheim, in Gesellschaft. Die Freude währte jedoch nicht lange, der defekte Luftreifen hielt absolut nicht; so blieben denn zwei zurück, und ich fuhr mit Delmont allein weiter! Ich glaubte ihn des Weges kundig und schaute nicht weiter nach der Karte, bis ich auf einmal eine grosse Stadt in der Ferne liegen sah, das konnte nur Verona sein, aber dahin zu fahren, stand nicht im Programm! Delmont, darauf aufmerksam gemacht, zog Erkundigungen ein, und richtig, wir waren an der Abzweigung nach Castelnuovo vorbeigefahren! Es war aber nicht schlimm; wir kamen auf guter Strasse über Bussolengo bald nach Castelnuovo, dabei versuchte der Italiener, der bei Mailand–Turin (500 km) Vierter geworden, mich ein wenig auszuhorchen, ich hielt ihn aber ohne grosse Mühe fest, beim Hinauffahren einiger kleinen Hügel war ich ihm sogar vorweg; also schon ein kleiner Trost für die Fahrt selbst. In Peschiera blieb ich zur Nacht, der Italiener fuhr noch weiter gen Brescia und Milano; nach dem Essen noch eine Promenade an das Ufer des herrlichen Gardasees, über dessen glatten Spiegel soeben ein einsamer, kleiner Dampfer seine Furche zog, der nach Peschiera einfuhr; ein Blick auf das wunderbare Panorama und dann die Lagerstatt aufgesucht, die besser war, als sonst den italienischen Nachtquartieren nachgerühmt wird! Der Weg am nächsten Morgen auf herrlicher, glatter Strasse am Südufer des Sees entlang bereitete mir unendliches Vergnügen. In Desenzano wurde, wozu es in Peschiera zu früh war, gefrühstückt, dann weiter, zuerst leicht ansteigend, durch la Lonato mit seinen weithin sichtbaren Kuppeln, dann eben, wie auf einer Rennbahn, zwischen den fruchtbaren Feldern und Gärten mit der sinnreich angelegten, künstlichen Bewässerung nach Brescia! Natürlich kam ich an das falsche Thor – Porta Milano – und fuhr nach der Porta Crema, woselbst Café Scaglione als erste Erfrischungsstation liegen sollte! Ich fand es auch richtig vor, und war erstaunt über das, was sich Italiens Söhne unter einer Erfrischungsstation denken; es ist ja nachher geändert worden, ob’s besser geworden ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich bei der Distanzfahrt selbst nur auf der Kontrolle gerastet und die Erfrischungsstation gar nicht benutzt habe, die abseits des eigentlichen Weges lag. Als ich noch mit den Wirtsleuten und einem hilfreich beispringenden italienischen Sportkollegen unterhandelte, kam Signor T. Magni, Vertreter der Adler-Werke in Brescia, den man von der Ankunft eines Adler fahrenden Tedesco benachrichtigt hatte, und half mir über alle Schwierigkeiten hinweg; er war lange Zeit im Hause Kleyer thätig, sprach daher fertig deutsch und ist mir dadurch von grossem Nutzen gewesen, dass er mich über die weiteren Wegverhältnisse bis Mailand aufklärte, so, dass ich schon hier in Brescia umkehren und die Strecke noch einmal in der Richtung der Fahrt selbst rekognoszieren konnte. Ich kann nicht umhin, ihm hier noch besonderen Dank dafür auszusprechen!
Um halb 11 Uhr, meiner Taxe nach die Zeit, in der wir Brescia passieren würden, brach ich auf, und fuhr flott Tempo bis Castelnuovo, der nächsten Erfrischungsstation, hier labte ich mich an einer »minestra« und einigen Eiern. Dann ging’s weiter – diesmal auf dem richtigen Wege – über Pontoro bis Peri, die Zollwächter waren heute weniger grausam, ich wurde nur auf der letzten Strecke eskortiert und dem österreichischen Grenzwächter abgeliefert, damit er bescheinigen konnte, dass ich in der That die schwarz-gelben Grenzpfähle passiert habe! In Borghetto gab’s keine Schwierigkeit, in Ala wurde ein Vespertrunk genehmigt und um ¾9 Uhr war ich in Salurn mit dem Bewusstsein, dass ich bei der Wettfahrt selbst um ca. 2½ Stunden früher eintreffen könnte. Unterwegs begegneten mir die Herren Fischer, Kotsch, Grüttner und weiter Schmal und ein Grazer, sämtlich bereits unterwegs nach Mailand! Mir lag aber mehr daran, den nördlichen Teil des Weges genau kennen zu lernen, der bei weitem schwierigere Terrain- und Strassenverhältnisse bot; so gab ich den Herren in Salurn noch einige Ratschläge für Einrichtung dieser meiner Ansicht nach besonders wichtigen Station, und wie ich allgemein gehört, rühmt man Salurn als die beste Station auf der ganzen Strecke; am Morgen früh wieder im Sattel: in Bozen noch einen kurzen Aufenthalt, dann hinein in die Buckelei, an der, wie ich hoffte, sich deutsche Zähigkeit den Sieg über italienische Lebendigkeit und Schnelligkeit erringen sollte! Und wieder ging’s gut bis Brixen, das ich um ¼12 Uhr gerade vor Losbruch eines Gewitterregens erreichte! Im »Elefant« war’s ausserordentlich gemütlich; eine kleine, liebenswürdige Gesellschaft, die von Klausen herübergepilgert war und teilweise aus Mitbürgern Leipzigs bestand, nahm sich meiner aufs beste an, sodass die Zeit beim gemütlichen Plaudern rasch verflog, der Regen liess nach, der Himmel sah nach dem Brenner zu sogar recht vertrauenerweckend aus; ich gab also meinen Plan, bis Franzensfeste die Bahn zu benützen, auf, und »knautschte« in der noch etwas weichen Strasse wacker weiter der Höhe zu, es waren 2 Stunden 50 Min. verflossen, da sass ich droben auf dem Pass und labte mich, sehr zufrieden, an Milch und Eiern, hatte ich doch nicht nötig gehabt, in Sterzing zu rasten, und nur an drei Stellen bei Gossensass schieben müssen! Doch weiter noch ein Stück auf der Höhe, dann scharf hinunter am Brennersee, als guten Trost nehmend, dass an dieser Stelle nachher wohl den meisten schon das Tageslicht leuchten werde, sonst dürfte es doch trotz Fackelbeleuchtung nicht ohne Unfall abgehen! Es war empfindlich kühl geworden, sodass ich schon auf dem Brenner mein wollenes Uebertricot angezogen hatte, die Wolken hingen drüben im Thal bei Innsbruck tief an den Berghalden, ob’s noch aushält? Ganz nicht, nur circa 6 km im Regen, aber mit Andacht; in Innsbruck hatte ich den nötigen Vorgeschmack für die Tour weg! In der Post wurde ich sehr nett aufgenommen und mit trockenen Kleidern versehen; als es aber am andern Morgen lustig weiter pladderte, da ging ich zum »Grossen Bruder« und sagte mir, nachher ist’s immer noch Zeit, nun ‚mal erst nach München zurück. Freitag mittag hielt ich wiederum meinen Einzug und schaute mich zunächst nach der Hauptsache für die Tour, nach der Maschine, um, die mir nach München geschickt werden sollte! Trainiert hatte ich bisher auf meiner alten Rekordmühle, die mich seinerzeit bereits von Wien nach Berlin getragen, aber das alte treue Tier auch noch zu dieser Hatz zu benützen, das schien mir doch eine ein wenig zu starke Zumutung, wenn anders ich mein Vorhaben, unter den ersten sechs Fahrern zu landen, durchsetzen wollte! Ich hatte der »Adler«-Braut untreu werden wollen, aber es gelang mir vorbei, sie triumphierte doch, obgleich der »Triumph« nicht vorhanden war. Eine kleine Probefahrt auf der Strecke nach Grafing verschaffte mir das absolute Zutrauen, dass mich das neue »Adler«-Tierchen Nr. 20 sicher über alle Schwierigkeiten und schlechte Wege hinwegtragen wird; am Sonnabend mittag sitze ich schon wieder mit dem »Grossen Bruder« zusammen und lasse mich von ihm nach Mailand führen! In bunter Reihenfolge ziehen all‘ die herrlichen Landschaftsbilder noch einmal vorüber, doppelten Reiz bietend, weil ich bereits mit ihnen vertraut bin, angenehme Gesellschaft kürzt die Zeit; wir sind bald in Trient, wo die letzten der Herren scheiden, die bereits die Posten beziehen, um am Montag ihrem »Seppi« Schritt zu machen! Nun lege ich mich gemütlich in die Ecke und schlafe so fest ein, dass ich beinahe in Ala sitzen geblieben wäre, mein Zug ruhte sich schon friedlich auf dem Nebengeleise aus, als ich erwachte, ’s war aber noch Zeit und nach einigem kräftigen, deutschen Fluchen brachte ich auch Parisi und die italienischen Zollwächter noch so weit, dass sie mich und mein Ross weiter expedierten. In Verona muss es bei Tag herrlich sein, die 2½ Stunden Aufenthalt um Mitternacht sind, selbst wenn man sich einen Bummel durch die Stadt leistet, nicht sonderlich angenehm. Nun, es geht alles vorüber, also auch dieses; um 7 Uhr war ich in Milano, das mir von früheren Jahren her bekannt ist, mein leichtes Gepäck erhielt der Hoteldiener, ich selbst eile, froh, die Schüttelei im Eisenbahnwagen überstanden zu haben, nach meinem Hotel, müde bin ich nicht, also waschen, frühstücken und nun zunächst nachgeschaut, wo die alten Freunde und Bekannten stecken. Na, so nach und nach fand sich ja alles zusammen, was zusammenpasste, im grossen und ganzen aber sind wir auf uns selbst angewiesen geblieben; ausser zum Photographieren beim Start selbst hat wohl niemand von uns das Vergnügen gehabt, unsere Sportkollegen vom italienischen Komitee näher kennen zu lernen; vielleicht haben die Herren von uns ausser beim Distanzfahren selbst auch später noch in München beim Empfang und der liebevollen Sorgfalt, mit der man sich bemühte, ihnen den Aufenthalt möglichst angenehm zu machen, recht viel gelernt!
Quelle: Radfahr-Chronik (München), 7. Jg., Nr. 76, Samstag 23. Juni 1894, S. 1627–1629.
Der Start
Mit dem »kleinen« Heine von Hannover, der durch seine schneidige Leistung bei der beschwerlichen Tour so manchen Prahler beschämt und gezeigt hat, was Energie und Ausdauer zu leisten im stande ist, war ich zum Frühstück in der Familie von Sr. Carlo Glockner gebeten, wo wir deutsche Gemütlichkeit und italienische Spezialgerichte: »Risotto«, »Asti spumante« u. dgl. in schönster Harmonie vereinigt fanden! Am Nachmittag wurden die Maschinen noch einmal genau nachgesehen, und als alles in Ordnung befunden, stärkten wir uns bei Savini in der Galleria mit einem tüchtigen Essen und edlem Falernerwein für die Strapazen des kommenden Tages, noch ein kleiner Verdauungsbummel, dann ins Hotel und
»Stille wird es nach und nach,
Friede herrscht im Schlafgemach!«
Am Montag (11. Juni) von 5 Uhr ab versammeln sich die Fahrer Corso Porta Romana usw.; wer schlau war, erschien erst um ¼–½7 Uhr, da war’s nämlich auch noch Zeit! Hier lernten wir mehr Herren vom italienischen Komitee kennen als bisher; der dort düster am Photographie-Apparat gelehnt steht, ist Sr. Rivera, er spricht nur italienisch, ist also für die meisten von uns nicht zu haben, Sr. Poglieni hat seine Sorge mit Sorge-Köln, der sich darüber gekränkt fühlt, dass Fischer-München in der zweiten Gruppe startet und fünf Minuten holen darf; die Fahrer werden gewogen, unterschreiben die Startliste usw.; in das Startbuch erfolgte vom Komitee keine Eintragung, dann ordnet man die Fahrer nach den Nummern und – ein »Einen Augenblick! Bitte recht freundlich!« – so, nun hinaus nach Rogoredo! Viel Interesse schien an dieser für uns selbst so bedeutsamen Fahrt beim italienischen Publikum nicht vorhanden zu sein, denn es waren nur sehr wenige Zuschauer anwesend, und von denen war der grösste Teil noch dazu Radfahrer. Im Hofe des Albergo wurde nochmals geordnet, dann wird die erste Gruppe hinausgeführt, die Fahne des Startes senkt sich, und dahin fliegt die Staubwolke, denn viel mehr war nicht sichtbar von uns. Es waren die Besten mit, die an der Spitze sassen und nach dem, was wir vorher gehört, hatten sich die Italiener vorgenommen, bis Bozen ein so mörderisches Tempo zu fahren, dass sie den Deutschen wenigstens auf glatter ebener Strasse ihre Ueberlegenheit beweisen wollten, aber es kam ein wenig anders; auch die Deutschen konnten trampeln und liessen niemand davonlaufen, im Gegenteil, die Führung lag beinahe ausschliesslich in ihren Händen! Ich sass still und ruhig hinten am Ende der Führungsgruppe und suchte mir möglichst die staubfreie Seite der Strasse aus, sonst war mir ganz wohl bei der Hatz, die so in reichlichem 30 km-Tempo dahinzog! Ausserordentlich überrascht war ich allerdings, als schon nach circa 55 km Fischer mit Costa den Anschluss erreicht hatte, das war wirklich schön gefahren, wenn man überlegt, dass 5 Minuten bei dem Tempo beinahe 3 km Entfernung ausmachen! Natürlich verschärfte sich die Fahrt sofort ausserordentlich, ich dachte, der Klügere giebt nach, und da der Staub nachgerade auch unangenehm wurde, hielt ich mich 4–500 m hinter der Staubwolke. Allein ist’s aber auch langweilig, so war ich froh, als nach einiger Zeit Kotsch, Grüttner und noch einige herankamen, und wir nun zusammen ein zweite Gruppe bilden konnten. In Brescia hatte mir Sr. Magni meine Erfrischungen, wie ausgebeten, nach der Kontrolle besorgt, ich ruhte ein wenig, trank ordentlich und fuhr mit Kotsch und Grüttner weiter; nicht lange, so erwischten wir Mündner, schon von weitem kenntlich durch seinen »Bergsteigergürtel« – schade, er konnte ihn nicht einmal ordentlich benutzen. Er schloss sich uns an und hielten wir zunächst unter abwechselnder Führung zusammen. In Castelnuovo schnell Suppe, Eier, Kaffee, Rotwein mit Selters! Armer Magen, was musst du dir auf solcher Tour alles gefallen lassen! Vor uns sind noch acht oder neun Mann, darunter einige Italiener, also Mut! Bei Pastrengo erwischen wir einen davon, weiter, immer hübsch flott und gleichmässig! Grüttner, der durch sein ausdauerndes Training in brillanter Form ist, hat seine Freude daran, zu führen, Kotsch klagt über Seitenstechen und bleibt bei Dolce zurück; Münder hat von Borghetto ab Schrittmacher, scheint aber nicht so recht beim Zeuge zu sein und bleibt bei Ala auch zurück. Die Zollformalitäten erledigen sich heute glatt und rasch, eine kleine Erfrischung und gleich weiter! Schöne Natur ringsum, eine leichte, gefällige Brise im Rücken, es ist eine Lust, so dahinzufliegen im frischen, fröhlichen Wettkampf auf der glatten Strasse. Grüttner führt fast immer und lehnt wiederholt ab, dass ich ihn ablöse! Wir haben verabredet, bis Salurn zusammenzuhalten.
In Trient war das Publikum sehr lebhaft interessiert, zwei dichte Reihen bildeten rechts und links Spalier und spornten die Fahrer durch Zuruf an, ich suche meinen liebenswürdigen Oberlieutenant; richtig, da ist er! »Grüss Gott!«, »Bravo!« Vorbei! – Ob wir uns wohl ‚mal im Leben wiedersehen!? Chi lo sa! Grüttner will auch streiken; ich fahre allein weiter; bin jetzt Sechster. Nicht vergessen will ich deiner, lieblichste aller Erfrischungsstationen, die du zwischen den Weinbergsmauern dem Fahrer entgegenlachtest; ein Tisch mit Obst und Wein und allem, was das Herz eines Tourenfahrers sonst erfreut, dahinter ein Paar liebreizende Mädchenköpfe, als Vorposten ein Radfahrer, der nach dem Wunsche des Distanzlers frägt und ihn zurückmeldet, so war’s recht und schön! Heil euch und Gruss für und von uns allen! Ich wollte zuerst nichts, es lachte mich aber alles zu sehr an, so nahm ich, langsam fahrend, ein Glas Gieshübler mit Wein, und es hat mir gut gethan!
Wen sehe ich dort vor mir am Wirtshause? Ist’s möglich, Costa, schon jetzt? »Na, denn man jüh!«, segt hei; er kam aber flugs wieder nach und ging an mir vorüber; in Salurn war er schon wieder abgedampft, schadet nichts! Jetzt zuerst die schöne, kalte Douche, der armdicke Strahl des herrlichen Wassers wirkt Wunder, das Essen und Trinken ist prachtvoll, ich fahre guten Mutes und frisch, wie ein Fisch, in das drohende Unwetter hinein! Wie oft hat’s mich schon ausgezahlt mit Regen und Sturm, dass es nicht mehr schön war, heute freue ich mich dessen, denn ich fahre leicht und durch die inzwischen angebrachten Lederschützer gegen den Strassenschmutz geschützt dahin! Zuerst hole ich den jungen Carlo Glockner, der Trifoni Schritt gemacht hat; ich gebe ihm noch einige weise Lehren auf den Weg, damit er sich nicht erkälten soll, dann weiter. Es blitzt und grollend rollt der Donner daher, doppelt gewaltig zwischen den Bergen! Bozen kann nicht mehr allzuweit sein! Da – zwei kotbedeckte Fahrer vor mir, Trifoni und Costa sind’s; Trifoni kommt mit mir; nicht lange, so sind wir in Bozen; ich bin erstaunt, Gerger ist eben erst abgefahren! Nur wenig Aufenthalt! Trifoni will weiter mit mir fahren, ein Bozener Schrittmacher geht mit uns! Wir bleiben vorerst beieinander bis Blumau, dann werden die Laternen angesteckt, und nun kommt mir die genaue Kenntnis des Weges zu statten. Ich fahre in der Dunkelheit absolut sicher, kenne alle Rillen und Wasserläufe auch ohne die Warnungssignale und ziehe langsam von dem Italiener weg! Durch Klausen hindurch, wo noch ein freundlicher Gruss der Brixener Tischgesellschaft mein Ohr erreicht, geht’s ohne Aufenthalt weiter nach Brixen, 2 Min. nach Gerger bin ich da. Ich fahre allein, ohne Schrittmacher, habe keine niedrig übersetzte Maschine zum Wechseln für die Bergtour, also hat es keinen Zweck, mich mit dem Grazer abzuhetzen, ich bin zufrieden, wenn ich meinen vierten Platz behaupten kann! Ich esse und trinke, frottiere mich ein wenig, bezw. der Doktor ist so liebenswürdig, es zu thun; dann fange ich an, mich an die Knautscherei zu machen. Bei Tag fährt sich’s schöner hinauf, ich brauchte in der Nacht 3 Std. 20 Min., also um 30 Min. mehr, als bei der Probefahrt! Die Hauptursache davon liegt in einem heftigen Sturz, den ich vor Sterzing an einer, leider nicht mit Warnungssignal versehenen Stelle über mich musste ergehen lassen; links steht ein Bildstöckel, die Strasse fällt nach erheblicher Steigung ein wenig und macht eine Biegung nach rechts, da sie feucht vom Regen ist, leuchtet sie nur ein wenig hervor, links erhebt sich ein Erdhügel, nach oben sich verjüngend, sodass er absolut den Eindruck der perspektivisch sich vereinigenden Strasse macht; natürlich reite ich fröhlich darauf los und liege ebenso natürlich auf der Nase, glücklicherweise ist alles heil geblieben, nur Lenkstange und Sattel müssen gerade gerückt werden, die Laterne ist verbeult und klappert, brennt aber! Durch Sterzing hindurch! Nun an die Schieberei; es ist sehr öde und langweilig, in der Nacht allein eine solche Tour zu bewältigen, hier zwischen Sterzing und Brennerhöhe waren Schrittmacher am allernotwendigsten, aber ausser denen, die sich die Fahrer selbst besorgt hatten, wurde keiner erblickt. In Gossensass hatte der brave Posten auf die Frage nach irgend einer Erfrischung nur »Schnaps« anzubieten; jeder nach seinem Geschmack! Endlich ist die Höhe erreicht; ich werde von einer vermummten Gestalt in den Garten gewiesen, fahre den durch Fackeln markierten Weg entlang und kam hinter der Brücke gerade noch von der Maschine herunter, ohne in den quervorliegenden Zaun hineinzugeraten, der bei der grellen Blendung durch die Fackeln bis zuletzt unsichtbar geblieben war! Ich sehe mir die Situation nun ein wenig näher an und gewinne den Eindruck, dass hinter jener geschlossenen Thüre möglicherweise die Kontrolle Brennerbad sich befinden könnte; und richtig, auf ein wenig Lärm, den ich schlage, kommt der Knecht des Hauses herausgestürmt! Sonst war’s aber gut heroben, das trockene, warme Hemd und Uebertrikot, die ich mir fürsorglich hierher stationiert hatte, thaten ausserordentlich wohl; ich wartete nun ruhig das Morgengrauen ab, weil ich an den zwei gut abgelaufenen Zwischenfällen gerade genug hatte und keinen dritten herbeiführen mochte! So ging die Thalfahrt spät vor sich; die Strasse war zum Teil aufgeweicht, und hatte ich besonders an den Schönberger Serpentinen Gelegenheit, den tollen Wagemut der ersten Fahrer zu bewundern, die hier bei Nacht passiert waren! Mit dem Rad hinein in den seitlich aufgehäuften Schlamm, die Lenkstange herumgerissen, um wieder hinauszukommen, einige unfreiwillige Schlenker hinüber und herüber und weiter ist’s gegangen! Ich habe oft Sorge, dass sich am Wege eine zerbrochene Maschine vorfinden könnte, und bin froh, dass ich mich hier bei Tage so einigermassen glatt durchwinden kann! Innsbruck ist erreicht. Natürlich regnet es hier herunten und verspricht der weitere Verlauf der Tour gut zu werden! Einer der Münchener Herren, die Fischer Schritt gemacht, bringt mich bis an die Brücke, dann überlässt er mich meinem Schicksal; ich versuche, mich auf der Strasse nach Hall fortzubewegen! Man rutscht so und rutscht so, ist man herunter von der Maschine, kommt man schwer wieder hinauf, am sichersten ist’s noch in der mit Regenwasser gefüllten Wagenspur. Na, es ist auch ‚mal zu Ende gegangen, schön war’s aber nicht, die Strecke wird wohl allen Teilnehmern unvergesslich bleiben, die sich dort haben durchquälen müssen. Weiter ist’s auch nicht viel besser; in Schwaz immer noch keine Schrittmacher, Brixlegg–Rattenberg, i wo denn. In Wörgl werde ich obstinat, und mag nicht mehr, wenn ich so stumpfsinnig allein weiter fahren soll, ohne irgend welche geistige Anregung zu haben! Ein Innsbrucker erbarmt sich meiner und führt mich bis Kufstein, ich bin sehr zahm und schiebe gern mal eine Steigung hoch, komme aber doch bei der Unterhaltung wieder auf andere Gedanken und freue mich, dass mich der liebenswürdige Schrittmacher bis zum Zollamt führt! Nun geht’s auf besserem Wege, freilich mit etwas Gegenwind, auf Rosenheim zu, hier und da grüsst wohl auch eine bessere Gesellschaft von Strampelbrüdern mit einem urkräftigen »All Heil!« aus dem sicheren Hafen der Gaststube den Distanzfahrer, aber, dass einer Schritt macht, keine Ahnung! Endlich ein offizieller mit roter Binde, jetzt hat’s keine Not mehr. Nun noch in Rosenheim eine ordentliche Mittagpause und dann an das letzte Stückchen Arbeit nach München! Mein Schrittmacher ist vorzüglich; er lügt sogar einige Kilometer weg, als ich frage, wie weit Rosenheim noch entfernt ist; kennt sich also aus, wie’s scheint.
Von Rosenheim ins Ziel
Endlich Rosenheim, abreiben, essen und trinken, Gerger ist vor circa einer Stunde passiert; über den nächsten hinter mir ist keine Nachricht da; ich vermute, dass nicht mehr viele unterwegs sein werden! Die Pause war lang, hat aber dafür gut gethan, mein liebenswürdiger Schrittmacher von vorhin, ein Herr Otto vom M. R. V. begleitet mich weiter, wir sind im besten Gange und rechnen, dass ich spätestens 5 Uhr in München sein werde! Ein daherkommendes Fuhrwerk stört unsere Unterhaltung; mein Schrittmacher ist vorne und winkt dem Bauern, ein wenig Raum zu geben; der scheint dazu keine Lust zu spüren, sondern zieht die Pferde gerade nach der rechten Seite, wo wir passieren sollen! Der Schrittmacher lenkt im letzten Augenblicke links herüber, ich denke, der Führer des Wagens wird doch so vernünftig sein und Platz machen; da er es nicht thut, steige ich ab und fauche ihn kräftig an, warum er nicht ausweiche, es sei doch Platz genug da! An Stelle der Antwort erhalte ich mit den Worten: »Wart‘, ihr Lausbuabn!« einen Hieb mit dem Peitschenstiel über den Schädel; ich greife zur Abwehr weiterer derartiger Liebkosungen nach dem Instrument, mit dem ich eben in so angenehmer Weise Bekanntschaft gemacht habe, dabei wird mein Rad vom Wagen erfasst und hin ist das treue, brave Rösslein, das mich so schön und gut bis 50 km vor das Ziel getragen! Wir zerren uns noch ein Stück des Weges hin, ich suche die Pferde zum Halten zu bringen und die Persönlichkeit festzustellen; der Bauer probiert, ob mein Schädel dick genug ist, seinen Willen durchzusetzen, der Schrittmacher in seiner Herzensangst nimmt den Revolver und schiesst mit Platzpatronen dazwischen, dadurch werden die Pferde wild, ich schwebe in Gefahr, selbst unter die Räder zu kommen und muss loslassen, ohne zu wissen, wer der rohe Patron war. Der jagt noch ein Stück auf der Chaussee dahin, dann biegt er rechts ab, es mochte ihm hier wohl nicht recht geheuer erscheinen! Da – schöner konnte dich die Nemesis nicht ereilen – Peter Eichner, Bierbrauer von Karolinenfeld – liefst du der hohen Ortsobrigkeit direkt in die Arme, wir aber in unserm lieben Herzen freuten uns, als die blitzende Pickelhaube durch die Felder auch zu uns daherkam! Der Thatbestand wurde aufgenommen, die Schrittmachermaschine zurechtgestellt und dann fort zum nächsten Posten, um telegraphisch das Entgegensenden von Schrittmacher und Maschine zu erbitten! Einige Herren sind so liebenswürdig und führen mich weiter ein Stück des Weges, mehr oder weniger, je nach Kräften! Ein wüstes Wetter bricht los; ich klettere munter bergauf und bergab, in Grafing steht ein Schrittmacher vom Münchener »Bavaria-Club«, wir fahren langsam, aber es geht eben nicht schneller auf diesem nassen, unsagbar schlechten Wege! Nun noch die schlechteste Strecke bei Haar. Gott sei Dank, da kommt meine Ersatzmaschine, es ist mein altes, treues Adlertier Nr. 12 von Wien–Berlin, nun auch noch das schöne Pflaster, die Fahrt wird noch einmal flott, die Menschenreihen schliessen dichter und immer dichter, brausender Jubel umtobt mich – dort das Band – hinüber – überstanden ist’s. Nun zur Kontrolle, ich fühle mich wohl, habe nur ein wenig Schmerzen im Kreuz vom ungewohnten Sitz auf der Schrittmachermaschine; von allen Seiten drückt man mir die Hand, da ist der Seppi (Fischer), frisch und munter, mit dem Eichenkranz des Siegers geschmückt, ich gönne ihn ihm; er fährt wirklich grossartig und hat seinen Sieg ‚mal wieder redlich verdient; dann ins Bad, der Arzt wundert sich, dass ich mich in so guter Verfassung befinde, ich freue mich selbst darüber. Das Massieren und die Ruhe erhöhen das Wohlbehagen. Grüttner kommt auch; er hätte mich infolge des Unfalles beinahe noch erwischt. Es wird noch ein wenig geplaudert und eine Tasse Thee mit Rotwein getrunken, dann fahre ich mit Willy Tischbein ins Hotel und tiefer, traumloser Schlaf stärkt die müden Glieder für die Strapazen der kommenden Festtage. Leider sind mir ihrer nur einige beschieden, der Urlaub ist zu Ende, ich gehe wieder mit frischer Kraft an die gewohnte Arbeit!
Den biederen Münchnern allesamt und den schönen Bergen Tirols aber werde ich ein treues Andenken bewahren und mit ihnen hoffentlich noch recht oft ein fröhliches Wiedersehen feiern und somit »Grüss Gott!« und »All Heil!«
Quelle: Radfahr-Chronik (München), 7. Jg., Nr. 77, Mittwoch 27. Juni 1894, S. 1653–1657.
Erlebnisse eines Distanzfahrers: Von Oswald Grüttner
Etwas aufgeregt, dass sich der Start, der am 11. Juni um 7 Uhr früh sein sollte, bedeutend verzögerte, brachte ich endlich um 7 Uhr 35 Minuten 5 Sekunden früh auf das Kommandowort „Avanti!“ mein Rad in Gang.
In eine ungeheure Staubwolke gehüllt, konnte ich nicht gleich sehen, wer vor mir in schärfster Pace losging; außerdem aber hatte ich mir vorgenommen, mich nicht an der Hetzerei vorne zu beteiligen, sondern in einem möglichst ruhigen, gleichmäßigen Tempo loszufahren. Ich bin damit bisher am weitesten gekommen, und auch diesmal bewies mir mein Erfolg, dass ich Recht hatte.
Trotz des wirbelnden Staubes und des bis Brescia durchaus nicht guten Weges brauchte ich bis dorthin (92 km) doch nur 3 Stunden 25 Minuten, was mir anzeigte, dass ich immerhin ein 30-km-Tempo gefahren hatte, bei Seitenwind, schwüler Hitze und erstickendem Staub. Die Italiener mit ihren Rennmaschinen waren auch erst zehn Minuten weiter.

Nach einer Viertelstunde setzte ich mich wieder aufs Rad, hinter mir her Hirsch und Kotsch. Bald holten wir zusammen Münder ein, der sich uns anschloss. In Castelnuovo wurde eine kurze Rast gemacht, und weiter ging’s.
Bald hatten wir wieder zwei von den eiligen Italienern überholt, was in mir eine derartige Freude erweckte, dass ich das Tempo verstärkte. Auch hinter mir wurde es weniger. Mein Freund Kotsch war nicht mehr zu sehen. Bald war Peri erreicht und nach Erledigung der Zollangelegenheiten passiert. Dieselbe Sache wiederholte sich in Borghetto, wo einige Erfrischungen eingenommen wurden.
Hier schloss sich uns auch Schlink, Schrittmacher für Münder, an, und da ich mich sehr zum Fahren aufgelegt fühlte, ging’s schnell vorwärts. Als ich aus Ala herauskam, war nur noch Hirsch hinter mir. 20 km vor Salurn wurde mir plötzlich das Treten schwerer und schwerer, ich musste zu meinem großen Bedauern Hirsch weglassen und absteigen. Mein Hinterreifen war weich geworden.
Zitternd vor Ärger machte ich mich daran, die Ursache zu entdecken. Ein kleines Stückchen Nadel war der infame Gegenstand meines Zeitverlustes. In zehn Minuten war mein Kontinental-Reifen repariert und ich begann wieder Luft einzupumpen. Unbeschreiblich war meine Aufregung und mein Ärger, als er nicht hielt. Ich schob rasch zum dicht dabeiliegenden Gehöft, ließ Wasser in einen Zuber gießen und sah nach – ich hatte in der Eile schlecht geklebt und machte mich nochmal an die Arbeit. Nach 40 Minuten war ich endlich zum Aufsitzen fertig, und in noch nie von mir gefahrenem schnellen Tempo fuhr ich nach Salurn, wo ich gerade eintraf, als Hirsch abfuhr. Ich nahm ein leichtes Bad und setzte nach nochmaligem halbstündigen Aufenthalt meinen Weg allein fort.
Inzwischen war ein schweres Gewitter aufgezogen, und der sturmartige Gegenwind ermöglichte ein nur langsames Fortkommen. Dazu die immer mehr aufweichenden Wege, die mein Rad oft bis einen halben Fuß tief einsinken ließen. Gänzlich durchnässt und zitternd vor Kälte traf ich gegen 9 Uhr in Bozen ein, wo ich Costa, den zweiten der noch vor mir befindlichen Italiener, holte. Hirsch, mein vorläufig heiß ersehntes Ziel, war auch hier schon weg.
Nach kurzem Aufenthalt fuhr ich in Begleitung von Brodtmann in die schauerliche Finsternis hinein; die bald rechts, bald links von mir fließende, reißende Eisack, die hohen, dicht beieinander stehenden Felswände, die tiefe Finsternis und der starke Regen verbunden mit starkem Gegenwind, machten einen unheimlichen Eindruck.
Ab und zu stürzte einer von uns beiden in den Schmutz, hin und wieder ging’s durch die quer über den Weg laufenden angeschwollenen Bäche, und wir kamen bis übers Knie ins Wasser.
In Klausen war auch der letzte Italiener anwesend – Trifoni –, der eingeschlafen war. Ich ließ ihn selbstredend schlafen und voll grimmiger Freude darüber ging’s wieder hinaus in die Finsternis, in den Regen und in den Schmutz.
Endlich war Brixen erreicht, wo ich leider lange auf einige Erfrischungen warten musste, sodass plötzlich Trifoni vor mir stand, der von Klausen gleich hinter mir weggefahren war. In Begleitung eines Münchener Schrittmachers ging’s nun auf den Brenner, immer im Regen und tiefen Schmutz. Ich versuchte, dem hinter mir wie eine Klette haftenden Trifoni mehreremale wegzulaufen, doch mit meiner schweren 16-kg-Maschine mit 63″-Übersetzung musste ich diese Versuche als nutzlos aufgeben. Trifoni hatte in Bozen das Rad gewechselt und fuhr eine 11-kg-auf-56″-übersetzte Adler, war also mir gegenüber bedeutend im Vorteil.
Kälter und kälter wurde es; in meinen Füßen war längst jedes Gefühl abgestorben, ebenso in den Fingerspitzen. Auf dem Brenner war Schnee gefallen. In Sterzing begann es allmählich Tag zu werden. Die letzten und schwersten 11 km wurden in ¾ Stunden zurückgelegt. Kurz vor Brennerbad fuhr mir Trifoni davon und drückte mit unheimlicher Energie das letzte Ende des Berges hinauf. Er kam so zwei Minuten früher an. Das reizte mich derart, dass ich ohne den geringsten Aufenthalt von der Station abfuhr und nach zweistündigem schweren Fahren in Innsbruck, 6 Uhr 8 Minuten früh, im tollsten Regen und immer tiefer werdenden Schmutz eintraf.
Ein schreckliches Stück Arbeit war noch die Strecke von Innsbruck nach Hall, wo ich einmal übers andre stürzte. Auch das wurde überwunden und endlich war Wörgl erreicht. Hirsch war ich bis auf eine Stunde näher gekommen. Ich selbst war nicht im geringsten ermüdet, vielmehr hielt mich das nasse Wetter frisch und munter. Von dem Gedanken beseelt, dass ich Hirsch noch einholen könne, eilte ich weiter, jetzt wieder in Begleitung eines Schrittmachers.
Kufstein wurde passiert, in Kiefersfelden meine Zollangelegenheit schnell geordnet, und als ich in Rosenheim eintraf, hatte ich die Freude, nur ½ Stunde hinter Hirsch zu sein – also schnell weiter!
Jetzt begann allerdings ein ganz entsetzliches Stück Weg; dazu sturmartiger Wind von vorn, abwechslungsweise Hagel- und Gewitterschauer – alles dies war fast zum Verzweifeln. Dazu riss meinem letzten Schrittmacher Brodtmann die Kette hinter Ostermünchen, gerade als ich bis auf vier Minuten an Hirsch herangekommen war. Ich stürzte auch noch und verbog das linke Pedal derartig, dass es unbrauchbar wurde. Dies hielt mich wieder zehn Minuten auf. Allein dem Wind und Wetter ausgesetzt, musste ich die Verfolgung zu meinem großen Bedauern aufgeben und allein ruhig meinen Weg, so gut es ging, fortsetzen.
Nach noch mehreren leichten Stürzen konnte ich endlich München erblicken, und meine letzte volle Kraft einsetzend, erreichte ich unter kaltem Hagelschauer das Ziel Steinhausen – zehn Minuten hinter Hirsch – als Fünfter.
Frisch und munter war ich angekommen und wurde sogleich gewogen, und siehe da: ich hatte 6 kg zugenommen. Sprachloses Erstaunen. Allerdings lag die Zunahme des Gewichtes auf dem Rücken, an den Hosen, Strümpfen und Schuhen, die vorher nur drei bis vier Kilogramm wogen, jetzt aber durch Wasser und Schmutz das respektable Gewicht von zehneinhalb Kilogramm erreicht hatten.
Hier meine Ankunfts- und Abfahrtszeiten:
11. Juni
Abfahrt Mailand: 7:35:05 früh
Brescia: an 11:04:00 früh, ab 11:20:00 früh (Aufenthalt 16 Min.)
Castelnuovo: Aufenthalt 10 Min.
Borghetto: an 3:00:00 nachm., ab 3:10:00 nachm. (Aufenthalt 10 Min.)
Salurn: an 6:14:00 nachm., ab 6:42:00 nachm. (Aufenthalt 28 Min., vorher Reparatur 40 Min.)
Bozen: Aufenthalt 15 Min.
12. Juni
Brixen: an 12:15:00 morg., ab 12:37:00 morg. (Aufenthalt 22 Min.)
Sterzing: Aufenthalt 10 Min.
Brenner: an 4:01:00 früh, ab 4:02:00 früh (Aufenthalt 1 Min.)
Innsbruck: an 6:08:00 früh, ab 6:25:00 früh (Aufenthalt 17 Min.)
Wörgl: an 10:28:00 früh, ab 10:45:00 früh (Aufenthalt 17 Min.)
Rosenheim: an 1:52:00 nachm., ab 2:05:00 nachm. (Aufenthalt 13 Min.)
München (Ziel): an 5:54:50 abends
Für Castelnuovo, Bozen und Sterzing nennt das Original nur die Aufenthaltsdauer, keine Uhrzeiten.
Summe des Aufenthaltes: 2 Stunden 39 Minuten
Fahrzeit: 34 Stunden 19 Minuten 45 Sekunden
Wirkliche Fahrzeit: 31 Stunden 40 Minuten 45 Sekunden.
Erlebnisse eines Distanzfahrers: Von Franz Gerger
Bis Brescia ereignete sich nichts Bemerkenswertes; das Wetter war schwül, und wir waren noch eine größere Anzahl von Fahrern in einer Gruppe beisammen.
Von Brescia ab waren Fischer, Reheis, Sorge und ich allen anderen voraus; vor Castelnuovo ging es in sehr scharfem Tempo, Fischer voran.
Da stoppte Fischer plötzlich, und ich, im scharfen Tempo, fuhr in seine Maschine; Sorge, Fischer und ich stürzten. Ich wurde heftig zu Boden geschleudert, dass mir einen Moment alles grün und blau vor den Augen war; trotzdem fuhr ich mit meinen Konkurrenten weiter bis gegen Ala.
Ein entsetzlicher Kopfschmerz hinderte mich fast am Weiterfahren; ich nahm einige kalte Douchen. Fischer und Reheis fuhren indes weiter.
In Salurn war ich Fischer und Reheis indessen wieder auf der Ferse; leider konnte ich aber nicht lange mithalten, da mir die Kette an meiner Maschine zwischen Salurn und Bozen riss.
Nun musste ich eine Stunde während des heftigsten Sturmes zu Fuß marschieren, bis ich in Branzoll einen Fleischer traf, der mir sein Rad zur Verfügung stellte, auf dem ich nun meine Fahrt bis Bozen fortsetzte.
In Bozen vertauschte ich das fremde Rad mit einer Reservemaschine, die ich dort aufgestellt hatte, und fuhr in Begleitung von Schrittmachern bis zur Brennerhöhe.
Die Straßen waren schon sehr aufgeweicht, das Fahren daher sehr schwierig; gleich schlechte Straßenverhältnisse von der Brennerhöhe nach Innsbruck.
Von Innsbruck weg ging es dann kaum fahrbar bis Hall und dann etwas besser gegen Rosenheim.
Von Wörgl weg wurde mir einigemal unwohl – die Folge eines schlechten Getränkes –, ich musste die Fahrt unterbrechen.
Dieses Übelbefinden besserte sich erst nach einem kräftigen Schluck Cognac, den mir ein Herr in liebenswürdiger Weise reichte.
Von Rosenheim nach München sind nur 60 Kilometer, doch war dies die schlechteste Strecke, die ich je auf allen meinen Radtouren gefunden; mit einem Wort: die letzten zehn Kilometer bodenlos, fast unfahrbar.
Mir wäre ein zweitmaliges Passieren des Brenners lieber gewesen, als die Fahrt auf dieser Strecke von Rosenheim nach München.
Gegen Ende der Fahrt wurde ich zum größten Überfluss noch von einem heftigen Hagelwetter überrascht und bis zum Ziel begleitet, wo ich mit tausendstimmigem „All Heil!“ begrüßt wurde.
Nach München geeilte Clubgenossen vom Grazer Radfahrer-Club, an ihrer Spitze Obmann Koneczny, begrüßten und beglückwünschten mich dort herzlich.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, mit dem größten Lobe der verschiedenen Kontroll- und Erfrischungsstationen und ihrer vorzüglichen Einrichtungen zu gedenken.
Aus dem ärztlichen Jourzimmer der Distanzfahrt Mailand–München von Dr. Speer
Wenn ich nachfolgend eine Tabelle über die Maße und Gewichte der ersten sechs in München angekommenen Teilnehmer der Distanzfahrt Mailand–München bringe, so kann dieselbe nur einem allgemeinen Interesse dienen.
Zu einer streng wissenschaftlichen Untersuchung fehlte es auf dem Festplatz an genügend großen und ruhigen Räumen und bei den angekommenen Siegern sowohl wie beim Publikum, das sich vor den Pforten des Bade- und Untersuchungszimmers drängte, an der nötigen Geduld.
Doch erscheint es bei der großen Teilnahme, welche der Distanzfahrt entgegengebracht wurde, jedenfalls von Interesse zu erfahren, in welchem Zustande denn eigentlich diese Menschenkinder, welche zwischen 30 und 40 Stunden ununterbrochen im Sattel gesessen hatten und den 600 Kilometer langen Weg mit fast Bahnzugsgeschwindigkeit zurückgelegt haben, nach dieser Fahrt unter dem glühenden Sonnenbrand der Poebene, durch Wolkenbruch und kalte Nacht auf hohem Bergesgipfel und durch strömenden Regen und starken Gegenwind auf den schlechten, durchweichten Straßen der bayerischen Hochebene endlich in München ankamen.
Da kann nun vor allem konstatiert werden, dass sämtliche von mir und meinem Kollegen Herrn Dr. Wacker untersuchten Fahrer – in Anbetracht der großen Schwierigkeiten, die sie überwunden hatten – in einer geradezu vorzüglichen Verfassung eintrafen.
Kein einziger benötigte irgendwie ärztlicher Hilfe; bei keinem zeigte die Pulszahl sich nach oben oder unten bedeutend verändert, oder der Puls in seiner Qualität stark mitgenommen.
Er war bei allen genügend kräftig; die Atmung war ruhig und gleichmäßig – ich kann sagen, ich bin nicht leicht von dem Ergebnis einer Beobachtung so überrascht worden.
Mit Fischer, der infolge eines schweren Sturzes bei Brescia eine heftige Prellung des rechten Knies erlitten hatte, das sich später als bedeutend geschwollen und empfindlich erwies und den das Publikum bei seiner Ankunft im Gedränge beinahe erdrückt hätte, ging ich zuerst so vorsichtig um, als wenn er von Porzellan wäre.
Nachdem ich aber gesehen hatte, dass er allein über den hohen Rand der Badewanne steigen konnte, und als ich hörte, wie er in seinem behaglich warmen Bade meinte, er könne jetzt gleich wieder weiterfahren, konnte ich ihn ruhig seinem weiteren Schicksal überlassen.
Nur habe ich darauf gedrungen, dass er sich nach dem Massieren einige Stunden ausruhe, ehe er sich den Ovationen des Publikums aussetze; er hat diesen Rat befolgt und schlief nach dem Genusse seines beliebten Milchkaffee etwa anderthalb Stunden wie ein Murmeltier.
Als ich ihn später wecken wollte, kam er mir schon entgegen und blieb bis zum späten Abend vergnügt und frisch im Kreise der Sportgenossen.
Von den übrigen Fahrern ging Reheis sofort nach dem Bade und dem Massieren in den Saal; auch er war sehr frisch, doch spannte ihn die Unruhe der aufgeregten Menge bald ab, sodass ich ihm empfehlen musste, sein Hotel aufzusuchen.
Gerger rauchte behaglich im Bade eine ihm gebotene Havanna, die er auch beim Massieren nicht fortlegte.
Hirsch, der überhaupt der weitaus frischeste aller Angekommenen war – was er dem Umstande zuschrieb, dass er sich genügend Zeit zum Essen und Trinken gelassen hatte – nahm zu seiner Erfrischung eine kalte Douche.
Auch Oswald Grüttner und Trifoni zeigten sich nach all den Anstrengungen gut disponiert.
Was die Herren alles mitzuschleppen hatten, erhellt aus einer Wägung der Kleider der letztgenannten:
Grüttners Joppe und kurze Hose wogen 9 Kilogramm, der ganze Anzug Trifonis, der übrigens mit langer Hose fuhr, zehneinhalb Kilogramm – gewiss eine respektable Gewichtszunahme durch Wasser und Schmutz!
Es gehören kolossale Wärmemengen dazu, einen Körper in dieser Umhüllung warm zu erhalten, doch kamen die Fahrer relativ frisch und munter an und konversierten im Badezimmer, als wären sie bloß gelegentlich einer kleinen Nachmittagstour eingeregnet.
Besonders lebhaft war Grüttner, der etwas später mit köstlichem Humor sich in dem Kostüm eines ausgewachsenen, vierstöckigen Münchener Hausherrn zu zweieinhalb Zentnern bewegte, in das man leicht drei Radler vom Kaliber Grüttners hätte hineinstecken können – für ihn hatte es wenigstens den Vorteil der Trockenheit.
Zu den Zahlen der Tabelle brauche ich wohl nichts hinzuzufügen – sie sprechen für sich selbst.
Erwähnen will ich nur noch, dass bei sämtlichen Fahrern die Bindehaut der Augen durch Wind, Wetter und Staub gerötet und entzündet war, und dass sich durch das krampfhafte Halten der Lenkstange, das durch Regen und schlechte Wege notwendig wurde, eine hochgradige Unempfindlichkeit und Steifheit der Finger herausgebildet hatte, die sich jedoch nach einigen Stunden wieder verlor.
Auch beklagten sich die meisten Fahrer über Kälte, was an jenem Tage kein Wunder war – das Kältegefühl verschwand bei allen nach dem Bade und dem Anlegen trockener Kleider rasch.
Irgendeine Störung an ihrer Gesundheit hatte keiner der Teilnehmer erlitten.
Überhaupt glaube ich bei dieser Gelegenheit konstatieren zu müssen, dass in einem Zeitraum von 15 Jahren, den ich beobachtet habe, bei der großen Summe mir bekannter Rennfahrer, deren Gesundheitsverhältnisse ich soweit als möglich verfolgte, die von verschiedenen Seiten für diese Sparte unseres Sportes vorausgesagten Schädlichkeiten ausgeblieben sind – womit nicht gesagt sein soll, dass nun jeder gleich sich dem Rennsport vertrauensvoll in die Arme werfen müsse.
Unsere Beobachtungen im Jourzimmer zu Steinhausen beweisen, dass bei Beobachtung der nötigen Regeln und Vorbereitungen der Mensch imstande ist, auf dem Rade die größten Anstrengungen ohne Schädigung seiner Gesundheit zu überwinden.
Ein Sport, der eine so große Reihe tüchtiger und gewandter, willenskräftiger und ausdauernder Fahrer hervorbringen konnte, muss dem Körper zweckdienlich sein; er wird ihn gesund machen und frisch und gesund erhalten.
Zusammenstellung der Messungen und Gewichte (bei Ankunft in München):
Nr. Name Alter Größe (cm) Gewicht mit Kleidern (Pfd.) Halsumfang (cm) Schulterbreite (cm) Brustumfang bei voller Einatmung (cm) Bauchumfang (cm) Schenkelumfang (cm) Wadenumfang (cm) Pulszahl
1 J. Fischer 31 173,5 171 38,5 45 101 97 55 40 84
2 M. Reheis 25 133 151 36 39 92 97 69 47 72
3 F. Gerger 28 175,5 143 35,5 42 85 92 74 50 88
4 H. Tr. Hirsch 33 179 126 37 45 88 92 76 54 100
5 O. Grüttner 23 168 126 33 42 77 80 67 49 92
6 C. Trifoni 21 168 121 33 40 81 87 67 49 6
Glossar zur Distanzradfahrt Mailand–München (1894)
All Heil
Grußformel der Radfahrerzeit um 1900, vergleichbar mit „Sport frei“ oder „Ride on“. Ausdruck kameradschaftlicher Anerkennung und sportlicher Solidarität.
Brenner / Brennerhöhe
Gebirgspass zwischen Italien und Österreich (1 374 m), zentrale Hürde der Distanzfahrt. 1894 unbefestigt, teils grober Schotter, Kälte und Schneefall selbst im Juni.
Depeschendienst
Telegrammnetz, über das Zwischenstände der Fahrer von Kontrollstellen an die Tagespresse oder nach München übermittelt wurden – das damalige „Live-Tracking“.
Distanzfahrt / Distanzradfahrt
Langstreckenrennen über mehrere hundert Kilometer auf öffentlichen Straßen. Im Unterschied zu Bahnrennen ging es nicht um Rundenzeiten, sondern um Ausdauer, Navigation und Selbstorganisation.
Ersatzmaschine
Zweitrad, das an einer Station hinterlegt werden durfte – meist mit anderer Übersetzung für Bergpassagen. Nur bei offiziellen Distanzrennen erlaubt.
Erfrischungsstation
Vordefinierte Punkte zur Nahrungsaufnahme und Kontrolle der Fahrer. Dort wurden Unterschriften, Zeitstempel und häufig Speisen (Suppe, Wein, Wasser, Brot, Eier) gereicht.
Fackelmann / Signor Parisi / Tochtermann
Zeitgenössische Funktionsträger der Organisation: Fackelmann (bayerischer Radsportfunktionär), Parisi (italienischer Kontaktmann am Zoll), Tochtermann sen. (Oberhaupt des Münchner Komitees).
Fixe Übersetzung / Starrgang
Räder ohne Gangschaltung oder Freilauf. Trittbewegung war direkt mit der Radbewegung gekoppelt – Bremsen meist über Gegendruck oder Fußbremse.
Kaisergebirge
Gebirgsmassiv in Tirol, markanter Streckenabschnitt zwischen Kufstein und Wörgl. Hirsch beschreibt es als „trotzig das Tal scheinbar ganz absperrend“.
Kontrollbuch / Startbuch
Offizielles Dokument, in dem Fahrer an jeder Station Uhrzeit und Unterschrift eintragen mussten. Diente als Nachweis der korrekten Streckenführung.
Magdeburger Velocipeden-Club (M.V.C.)
Einer der ältesten deutschen Radsportvereine, gegründet 1883. Hans Traugott Hirsch fuhr hier unter dem Banner des M.V.C.
Münchener Kindl
Symbolfigur der Stadt München. Beim Festabend der „Münchener Radfahrer-Woche“ trat ein Schauspieler als Kindl auf und begrüßte die Fahrer mit einem spöttisch-herzlichen Gedicht.
Pneumatik / Pneumatikreparatur
Bezeichnung für Luftreifen (damals neuartig). Defekte erforderten Vulkanisieren oder Einkleben mit Gummilösungsmittel – langwierig und fehleranfällig.
Schrittmacher
Begleitfahrer, meist mit Tandem oder stärkeren Beinen, der Windschatten spendete oder die Pace vorgab. In Distanzrennen offiziell erlaubt, später verboten.
Steinhausen (Schützenhaus Steinhausen)
Ort des Ziels und der Kontrolle in München. Diente als Festplatz und medizinischer Untersuchungsort für die ankommenden Fahrer.
Trifoni, Costa, Reheis, Fischer, Gerger, Hirsch, Grüttner
Teilnehmer der internationalen Distanzfahrt 1894.
– Josef Fischer (München): Sieger.
– Max Reheis (München): 2. Platz.
– Franz Gerger (Graz): 3. Platz.
– Hans Traugott Hirsch (Magdeburg): 4. Platz.
– Oswald Grüttner (Leipzig): 5. Platz.
– Carlo Trifoni (Italien): 6. Platz.
– Costa (Italien): 7. Platz.
Velociped / Velociped-Club
Frühform des Fahrrads bzw. Bezeichnung für Radfahrervereine der 1880er/90er Jahre. Das Wort wurde erst um 1900 allmählich vom Begriff „Radfahrer“ verdrängt.
Waidbruck, Salurn, Ala, Peri, Rogoredo
Historische Ortsstationen entlang der Route Mailand–München. Heute Teil Norditaliens bzw. Südtirols.
Quellenverzeichnis
Radfahr-Chronik (München), 7. Jahrgang 1894, mit der Mittwochsbeilage Radfahr-Humor. Die Texte sind nach Scans der Originale übertragen.
- Nr. 75, Mittwoch 20. Juni 1894, S. 1599 ff.: „Die Münchener Radfahrer-Woche“ mit Zieleinlauf und Festabend.
- Nr. 76, Samstag 23. Juni 1894, S. 1627–1629: Hans Traugott Hirsch, „Erlebnisse eines Distanzfahrers“ (Teil 1).
- Nr. 77, Mittwoch 27. Juni 1894, S. 1653–1657: Hirsch, Fortsetzung und Schluss.
- Nr. 79, Mittwoch 4. Juli 1894, S. 1703 f.: Bericht von Oswald Grüttner.
- Nr. 80, Samstag 7. Juli 1894, S. 1727: Bericht von Franz Gerger.
- Nr. 84, Samstag 21. Juli 1894, S. 1826 f.: Dr. Speer, ärztlicher Nachbericht.

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