Gastbericht · Grevet #1 Berlin · 19. April 2026

Auf Linie gebracht. Erfahrungsbericht Grevet #1 2026 Berlin

Erlebnisbericht von Grevet #1 Berlin — Sonntag, 19. April 2026

Spontan losgefahren um 12 Uhr ab Moabit, 200 Kilometer durch Brandenburg, ein Sturz bei Kilometer 120, Rückenwind im Dunkeln, Geister im Düppeler Forst. Notizen aus dem Sattel.

Spontaner Aufbruch

Kurzer Stopp, irgendwie fehlt mir Salz — gestohlen vom gestrigen Bier und auch das, was ich heute schon verschwitzt habe. Bei dm gibt’s nur 500g. Egal, eine kleine Handvoll in den Trinkrucksack, der Rest in die Rahmentasche, zu Hause wird sicher was gebraucht. Schon nach dem ersten Schluck spüre ich: das war eine gute Idee, der Kater schwindet.

Ich bin spät los heute. Vor einer Stunde, gegen 12 Uhr, spontan ab Moabit. Morgens um 10 hatte der letzte abgesagt für morgen — wegen Regen. Heute ist es warm und eher trocken, also los, hab ich mir gedacht und in leichter Panik alles vorbereitet: Sachen suchen, anziehen, was gibt’s an Carbs? Eine Packung Datteln, 250 ml Gel aus dem Freezer, spanisches Feigenbrot und ein paar selbstgemachte Müsliriegel, das muss fürs Erste reichen. Dann noch schnell Laufräder wechseln. Mist, es schleift auf einer Seite. Speichenschlüssel suchen, vorsichtig nachzentrieren — passt. Der Blick auf die Uhr verrät: Alles klar, heute gibt es eine Nachtfahrt.

Der Anfang ab Potsdam ist bekannt, oops — durch den Campingplatz? Ja, kommt mir irgendwie bekannt vor. Danach: Die einbeinigen Herrscher, da sind sie wieder, herrliche Windparks mitten im Wald, hier war ich noch nie. Es läuft gut, die Wege sind gut, die Stimmung auch.

Nach zwei Stunden ist der Rucksack fast leer, viel Durst heute, die Hitze und das Bier von gestern. Der Wasserhahn des Friedhofs Alt-Kanin liegt quasi auf dem Track, sehr komfortabel. Es ist Hochsommer — mitten im April.

Kurze Begegnung mit zwei Motocrossern auf der Gravelpiste. Ich hoffe, es kommen nicht noch mehr.

Die Presslufthammer-Passage

Kilometer 55, mitten im Wald: Endlose Buckelpisten schütteln mir die Arme weich. Wo bin ich? Welcher Wald? Sieht toll aus hier, aber der Untergrund: Muss das sein? Kurz raus aus dem Wald, entspannter Asphalt: Ahhhhhh — oh nein. Und schon der nächste Rumpelpfad.

Zwischen km 50 und 60 ist es hart. Es rollt mies — bis gar nicht. Schweres Forstgerät hat sich hier durchgewalkt oder die Wege haben schon Jahrzehnte lang kein Gefährt mehr gesehen. Nennen wir es die „Presslufthammer-Passage“. Ich hoffe, ich bin bald raus und am Checkpoint 2, ich kann eine Pause gebrauchen.

Mitte April, Brandenburg, die Sonne brennt, der Sand ist tief. Gefällt mir aber besser als Gerüttel im Wald.

Etwas später: Ich bin gut unterwegs, das Rad fühlt sich perfekt an. Kein Klappern, alles funktioniert tadellos. Es macht Spaß, auf diesem Gaul durch den Wald und über die Felder zu bügeln.

Um mich herum, Brandenburg vom feinsten: Biogasanlagen, gigantisch wie Raumstationen, Meere aus Solaranlagen, alte LPG-Gemäuer mit zweifelhafter Schweinemast.

Was ist los? Ich suche einen Platz zum Pinkeln und finde kein Versteck. Bin ich noch in Brandenburg?

Wow, und schon wieder Flüsterasphalt. Schon zum zweiten Mal und mehr als ein paar Meter. Gas geben, das fühlt sich gut an.

Bad Belzig und das goldene M

Kilometer 70: Kaum kommt ein Anstieg, sind auch die Fliegen da. Es zieht Regen auf, vielleicht ist das der Grund.

Ein mieser Radweg neben Kopfsteinpflasterpiste mitten im Wald — ich spüre es: irgendwo hier ist der Mittelpunkt der DDR. (Grevet #1 2021)

Bad Belzig. Plattenbau und Schrebergartenromantik — in perfekter Symbiose.

Es läuft wieder gut. Es rollt. Ich habe eine Menge Datteln gefuttert und auch Gel; wahrscheinlich ist einfach der Blutzuckerspiegel wieder im Lot. Aber für die kleine, schwarze Schotterrampe eben hat’s trotzdem nicht gereicht.

Um den Flugplatz herum ist es zauberhaft. Die Wege sind endlos und etwas sandig, aber nicht locker, es rollt wie irre. Die ersten Tropfen fallen.

Wow, jetzt geht es ab. Hier später ein Segment erstellen? „Let them eat dust“?

Wow, das ist ein US-Diner. Aber ich schaffe es nicht — bleibe Spießer (und habe Angst vor verlorener Zeit) und gehe zum goldenen M nebenan. Sicher ist sicher. Mist, die falsche Entscheidung: Milchshake ausverkauft.

Sturz bei Kilometer 120

Die Rückfahrt bleibt wunderbar. Wieder endlose Weiten, Windparks, es rollt. Wind? Ich glaube ja, von hinten.

Es regnet weiter, aber das ist ok. Es wird bald dunkel, ich nehme an, ich werde gegen 22 Uhr in Potsdam sein.

Der Regen legt nach. Muss ich was anziehen? Nein, erst mal nicht.

Es kam, wie es kommt: bei km 120 ein Sturz. Etwas Stalldrang, leichter Regen, unkonzentriert, die Dämmerung setzt ein und die Gedanken sind noch beim Burger. Dann ein schneller Spurwechsel auf dem Plattenweg, ich bleibe an der Spurkante hängen und gehe über den Lenker. Ouch, Pause.

Durchatmen, aufstehen, umschauen, es geht ok, nichts Ernstes. Bin zum Glück nicht auf dem Beton gelandet und gut über die Schulter abgerollt. Klamotten sind dreckig, aber heile. Das Fahrrad? Sieht in Ordnung aus, aber der neue Rahmen! Uff, shit happens, nun ist er eingeweiht. Aufsteigen, weiter geht’s.

Geister im Düppeler Forst

Der Regen hat aufgehört. Zum Finale geht es ab Michendorf mit Tempo im Dunkeln an der Gas- und Powerline entlang.

Mitten im Wald, ein Licht, da kommt mir was entgegen, was ist das? Ah, ein verirrter Rennradfahrer, er blendet wie ein LKW mit Fernlicht.

Auf den letzten Metern im Wald nach Potsdam, da sind sie wieder, die Geister der Nacht.

Baumstümpfe, Äste, Schilder und Bänke erscheinen am Rand meines Sichtfeldes — und verwandeln sich zu irgendwas.

Kurz mal unheimlich: sehe ich voraus meinen eigenen Schatten? Heißt das, es ist ein Licht hinter mir? Ein kurzer Blick nach hinten: Nein, ich habe mich getäuscht, der Puls geht wieder runter, gleich bin ich da.

Danke ans Grevet-Team für diese äußerst entspannte und gut rollende Rückfahrt. Sie hat mich für die anfänglichen Qualen entschädigt, der Rückenwind hat geholfen.

Zurück in Potsdam. Der Regen ist vorbei, es ist wieder lauer Sommerabend. Ich fahre weiter, nach Moabit. Nochmal Düppeler Forst, im Dunkeln, wieder ein Erlebnis. Leider keine Mufflons, aber nochmal etwas Regen, diesmal keine Geister.

Jan O.K. ist seit Anfang an Grevet-Fahrer und Berliner. „Auf Linie gebracht“ war Grevet #1 Berlin 2026 — gefahren am 19. April, spontan, mit Sturz und Rückenwind.

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