Erfahrungsberichte Grevet #1 / 2026 – Sieben Regionen, sieben Auftakte
Die Saison beginnt. Rückblick auf die ersten Ausfahrten in sieben Regionen.
Die Saison 2026 hat in sieben Regionen begonnen: Berlin/Brandenburg, Hamburg, Bayern, Franken, Niederrhein, Thüringen, Österreich. Sieben Auftakte, sieben Strecken, sieben Social Grevets – gleiche Formatlogik, komplett unterschiedliches Terrain. Die Distanzen sind noch überschaubar. Die Fragen noch offen. Das ist Nr. 1.
Wer das Quartett kennt, weiß: Grevet #1 ist kein Test. Es ist ein Einstieg. Man merkt, wo die Beine nach dem Winter stehen, was die Ausrüstung macht, wie das Format sich anfühlt, wenn man es nicht liest, sondern fährt. Die meisten fahren Nr. 1 anders als geplant. Das ist kein Fehler. Das ist der Anfang.
Was folgt, sind Berichte aus den sieben Regionen. Zwei davon aus erster Hand – Niederrhein und Berlin/Brandenburg bin ich selbst mitgefahren. Die anderen kommen aus den Regionen selbst, dort wo sie schon vorliegen, und werden ergänzt, sobald die lokalen Teams berichten.
Niederrhein – Erster Grevet am Niederrhein
Das war der erste Grevet überhaupt am Niederrhein. Auftakt einer neuen Region, und das Wetter hatte verstanden, dass Saisonauftakt ist: Nach einem Winter, der sich gezogen hatte, kam pünktlich zum Samstagmorgen die Sonne raus. Ungewohnt hell nach den letzten Monaten, ungewohnt warm für März.




Treffpunkt: Areal Böhler Düsseldorf, Haupteingang der CyclingWorld Europe. 09:45 Uhr sammeln, 10:00 Uhr Abfahrt. Ecke Hansaallee und Büdericher Straße, direkt neben dem Messeingang. Geplant wurde die Ausfahrt vom Cycling Club Düsseldorf
Meine Beine hatten die Botschaft noch nicht bekommen. Recht heftig Corona und fast zwei Monate Fahrstopp in Berlin durch den extrem harten Winter. Zweistopp-Strategie daher, bewusst gesetzt – Saisonauftakt ist kein Zeitfahren. Und dann, etwas früher als geplant, der erste Stopp: Eiskaffee. Im März. Bei Saisonauftakt. Man kann das sündig nennen. Man kann es auch einfach als Einsicht in die Lage verbuchen. Später, kurz vorm Ziel, nochmal Kuchen. Aus zwei geplanten Stopps wurden zwei Stopps plus zwei Gelegenheiten, nicht vorbeizufahren.





Und trotzdem, trotz der Hügel: am Ende fast 24er Schnitt. Die Strecken am Niederrhein sind flott.
Das überrascht, wenn man nur auf die 500 Höhenmeter schaut – die kommen nicht als Drama, aber sie kommen. Niederbergisches Land heißt tatsächlich bergisches Land: sanft hügelig, kurze Rampen, immer wieder Wellen. Trotzdem rollt es. Gut präparierte Wege, lange gleichmäßige Abschnitte, wenig technisches Stocken. Wer hier fährt, kommt in einen Rhythmus und bleibt drin. Dass es mit zwei Café-Stopps auf einen knappen 24er Schnitt rausläuft, sagt mehr über das Terrain als über den Fahrer.
Die Niederrheiner selbst waren entsprechend fit. Da war dieser mittlere Winter, den der Westen hat und Berlin nicht kennt: durchgehend fahrbar, keine langen Zwangspausen. Man merkt es am Tempo der ersten zwanzig Kilometer, man merkt es an den Gesprächen, in denen Trainingsumfänge nebenbei fallen. Auffällig: ein paar Basel–Kleve-Starter:innen waren dabei – Leute, die im September den Supergrevet von Basel bis zum Niederrhein fahren und das jetzt schon so ernst nehmen, dass sie laut über Streckenrekord nachdenken. Nicht großspurig, eher planerisch. Die Art Gespräch, bei der man irgendwann merkt: die meinen das.
Die Strecke
Die Route führt westlich aus Düsseldorf ins Niederbergische Land, zwischen Wupper und Ruhr. Von den Rheinauen in sanft hügeliges Terrain, lauschige Waldpassagen, landwirtschaftliche Wege über offene Höhen in Richtung der Saarner Ruhrauen. In Sichtweite des Ruhrgebiets, mit Stahl- und Chemieindustrie als Kontrastmittel am Horizont, dann über eine fast hundert Jahre alte Stahlbrücke zurück über den Rhein. Das ist der Niederrhein im Kleinen: dicht besiedelt, historisch industriell geprägt, und trotzdem durchzogen von überraschend stillen Schleichwegen.
Wer die Strecke gemacht hat
Getragen wird das Grevet Niederrhein vom Cycling Club Düsseldorf e.V. (CCD) – seit 2005 in der regionalen Radsportszene verankert, ursprünglich klassischer Rennradverein, heute eine breite Community, die Training, Breitensport, Wettkampf und Langstrecke gleichberechtigt trägt. Mit Düsseldorf300 organisiert der CCD seit Jahren einen etablierten Radmarathon, bewusst ohne Zeitnahme, getragen von Gemeinschaft und Erfahrung im Umgang mit langen Distanzen. Genau diese Haltung fließt in die Düsseldorfer Grevets ein.
Die Handschrift der Strecke kommt von Johannes Pöttgens, gebürtiger Rheinländer, seit Kindheitstagen auf dem Rad. Co-Autor des Führers Niederrhein mit dem Gravelbike (mit Lothar Schmidt), erkundet die Region zwischen Rhein und Maas seit Jahren systematisch – auf der Suche nach fahrbaren Linien abseits des Offensichtlichen. Wer mit Johannes fährt, merkt innerhalb einer Stunde, dass jeder Übergang geprüft ist. Die Düsseldorfer Strecke ist ruhig, logisch und tief in einer Region verankert, in der Ruhe erarbeitet werden muss, weil sie dicht besiedelt ist.
Im Hintergrund organisiert Stephan Hörsken, Vorsitzender des CCD, Kommunikation, Abstimmung und Eventstruktur. Dass das Grevet Niederrhein direkt neben der Messe starten und nach der Ausfahrt am Cycle-Collective-Stand landen konnte, ist seine Arbeit.
Cycling World & Host Cycle Collective
Utes und Phillips Fahrradladen Cycle Collective in Meerbusch ist Treffpunkt und Ausgangspunkt für Leute, die Radfahren als Teil ihres Lebens sehen: Rennrad- und Gravel-Marken (FARA, Black Hearth, Allied, Factor), Werkstatt, Beratung, dazu Ausfahrten, Vorträge und Abende rund um Bikepacking und Langstrecke. Bei Kaffee oder einem Drink entstehen hier Tourideen. Am Samstag wurde der Messestand der beiden zum Debriefing-Ort: Kaffee, kalte Getränke, Räder am Stand, Gespräche, die länger dauerten als geplant. Am Stand zu sehen auch die aktuellen Bikes unserer Freunde und Parnter von FARA.



Der Freitagstalk – passenderweise zum Thema Was bei der Langstrecke schiefgehen kann – fiel bezeichnenderweise aus. Doppeltes Unvermögen bei Flixtrain und DB. Die Ausfahrt am Sonntag nicht. Immerhin lässt sich zum Inhalt des Vortrags auf diesem Weg eine Kernerkenntnis mitteilen: Die Anreise zu einem Ultra mit öffentlichen Verkehrsmitteln sollte sehr viel Puffer enthalten, mindestens einen Tag. Der Inhalt hat sich auf seine eigene Weise vermittelt.
Berlin/Brandenburg – Ostersamstag, Büffel, mehr Gravel
Zwei Wochenenden später, Potsdam, Ostersamstag. Das ist ein ambivalenter Termin: Familien sind eher nicht da, der Kalender zeigt rot, das Wetter war semi – Regen beim Sammeln am Start, alle unter Vordächern, Blick zum Himmel. Und trotzdem: eine große, motivierte Gruppe am Start. Das sagt etwas über die Leute, die zu einem Grevet #1 kommen – Ostersamstag ist kein Hindernis, wenn die Saison anfängt. Die Mehrheit startet ohnehin zu anderen Zeitpunkten im offenen Fenster – der Social Grevet ist die Einladung, nicht die Pflicht.




Pünktlich zum Losfahren stoppte der Regen – so pünktlich, dass zwei Leute laut lachten. Dann raus Richtung Süden, Fläming.
50 Kilometer länger, 100 Höhenmeter mehr – auf dem Papier ein überschaubarer Unterschied zum Niederrhein. In der Praxis: deutlich mehr Gravel.



Das Höhenprofil ist ähnlich unspektakulär (der Fläming gibt seine 600 hm als Wellenbewegung zurück, nicht als Anstieg), aber der Untergrund macht die Zahlen anders fühlbar. Wo der Niederrhein trotz Hügeln rollt, fragt der Fläming bei jedem Kilometer nach. Breite gerade Linien durch Kiefernwald, Sand, Schneisen, die vor zweihundert Jahren jemand in die Landschaft gezogen hat, weil er sie ordnen wollte. Jahrzehntelang Sperrgebiet der Sowjetarmee, seit 1994 offen – und paradoxerweise gibt diese Geschichte dem Fläming heute, was anderswo längst verbaut ist: Unberührtheit. Kein Café. Kein Rastplatz. Wege, die für schweres Gerät gebaut wurden und auf denen jetzt niemand mehr unterwegs ist. Spargelfelder unter Plastik, so weit man schauen kann. Wellenlandschaft mit weißer Brandungsgischt. Leitpfosten an Schotterpisten, als hätte jemand Verkehr erwartet, der nie eintraf.
Das erklärt auch den Schnitt: Wo der Niederrhein trotz Hügeln auf knapp 24er rollt, schafft der Schnellste im Fläming knapp 26er – aber eben auf deutlich anspruchsvollerem Untergrund. Zwei Zahlen, zwei Geschichten vom Terrain.
Dann: Büffel am Zaun. Irgendwo zwischen zwei Waldstücken, unerwartet, unkommentiert. Die schauen zurück, man schaut hin, niemand sagt was. Der Fläming wirft solche Dinge einfach in den Weg, ohne Schild, ohne Erklärung.
Am Start bildete sich eine lange Linie Mitfahrender. Nicht eng, nicht als Peloton – eine gleitende Kette, die sich über den Tag immer wieder neu anordnete. Man zog auf, fuhr ein paar Kilometer neben jemandem, ein paar Worte, löste sich wieder. Über den Tag verteilt Abschnitte mit vielleicht acht, neun verschiedenen Leuten geteilt, keine davon geplant. Das ist der eigene Takt dieses Terrains: Gesellschaft in Dosen, dazwischen Alleinsein, keine Gruppe, die zusammenhalten müsste.
Lehnitz: Hubbelstrecke. Ein paar Kilometer, in denen gerade Waldarbeiten liefen – schweres Gerät, die Wege entsprechend aufgewühlt. Nicht angenehm, nicht vermeidbar, jedenfalls nicht ohne Fluggerät. Gehört dazu. Wer im April durch Brandenburg fährt, trifft irgendwann einen Harvester, der nicht mit einem gerechnet hat.







Alle vom Social Grevet kamen an. Der Schnellste knapp unter 26 km/h – auf diesem Untergrund eine ernstzunehmende Zahl.
Hamburg – An der Kante der Eiszeit
Erste Saison in der Region, erstes Grevet. Hamburgs zentraler Norden: Geest, Moor, das flache Land nördlich der Alster. Wind als eigenständiger Faktor, wie er das auf den norddeutschen Strecken strukturell ist. Northern Light(s) bringt Erfahrung aus Langstrecke, Unsupported-Formaten und dem Erkunden wenig befahrener Regionen ein.
Der erste Social Grevet „An der Kante der Eiszeit“ startete bei strahlendem Sonnenschein, angenehmen Temperaturen und 13 motivierten Mitfahrerinnen und Mitfahrern. Die Strecke führte entlang der markanten eiszeitlichen Landschaften rund um Hamburg.
Constantin hatte mit seinem Reifen zu kämpfen – ihm ging gefühlt im Minutentakt die Luft aus. Dass er beruflich Trompeter ist, machte die Situation noch ironischer. Luftprobleme, wo man sie am wenigsten erwartet. Er kämpfte sich immer wieder zurück in die Gruppe.
Statt klassischem Iso-Drink steckte in seinem Flaschenhalter ein Thermosbecher – gefüllt mit frisch gebrühtem Kaffee.
Eine klare Ansage an alle, die Radfahren zu ernst nehmen. Während andere an ihren Gels nippten, gab es bei ihm Koffein in seiner schönsten Form.
Bayern – Off the Radar
Der bayerische Auftakt bleibt dem Charakter der letzten Jahre treu: nicht Prospektlandschaft, sondern die weniger gezeigten Ecken. Off the Radar als Streckenname ist Programm. Rund 30 Fahrer:innen machten sich bei strahlendem Frühlingswetter vom Bahnhof Geltendorf aus auf den Weg Richtung Ammersee, Peißenberg und Lech.




Nach den ersten 15 Kilometern bildeten sich automatisch kleine Gruppen – manche wollten gemütlich rollen, andere etwas sportlicher unterwegs sein. Trotzdem begegnete man sich immer wieder an Brunnen, Aussichtspunkten oder Checkpunkten.
Die Strecke zeigte sich von ihrer allerbesten Seite. Trockene Gravelwege, klare Sicht auf die Alpen, dieses typische Voralpen-Frühlingslicht. Am Hohen Peißenberg blieb kaum jemand einfach nur kurz stehen – bei dem Panorama Richtung Zugspitze musste man innehalten. Entlang der Ammer und später am Lech: die Stimmung, die man nur an langen Tagen auf dem Rad erlebt.
Der besondere Moment des Tages wartete an Checkpunkt 3 bei der Modelleisenbahn.
Die Besitzer saßen zufällig im Garten, freuten sich riesig über die vielen Radfahrer:innen und gaben spontan Führungen durch die Anlage. Die meisten der Fahrer:innen fanden sich plötzlich zwischen Miniaturzügen, kleinen Landschaften und liebevollen Details wieder – ein komplett unerwarteter Moment, der perfekt zu diesem Grevet gepasst hat.







Irgendwo zwischen Bergpanorama, flowigen Gravelwegen und dem obligatorischen Eis vom Eisautomaten wurde klar, worum es bei diesen Tagen geht: gemeinsam draußen unterwegs zu sein, neue Orte zu entdecken, Erlebnisse zu sammeln, die man so niemals planen könnte.
Franken – Limestone After Winter
Erster Franken-Jahrgang überhaupt. SALA als Ausgangsbasis: Wohnzimmer, Werkbank, Kollektivraum mitten in Nürnberg, mit direkter Nähe zur Fränkischen Schweiz. Limestone After Winter steht für das, was die Region besonders macht – Kalkstein, Jura, Mittelgebirge, die nach dem Winter ein eigenes Licht haben.
Das Team ist international: Adrian aufgewachsen in Mexiko-Stadt, Hien mit vietnamesischen Wurzeln und Jahren in den USA, Amanda als Kletterin, Bergsteigerin und Sozialwissenschaftlerin zwischen Ausdauer, Abenteuer und Analyse. Kein Szenegehabe, offene Haltung, urbane Lage mit unmittelbarem Zugang zum Terrain.
Der Auftakt hatte alles, was ein erstes Grevet in einer neuen Region ausmacht. Regen die ganze Strecke, Wind dazu – nichts, was sich verschieben lässt, wenn der Termin steht. In der zweiten Hälfte dann immerhin Rückenwind als Versöhnung. Am Ende kamen fast alle gemeinsam ins Ziel. Hart, aber gefahren – und nach Adrians Einschätzung mit Spaß auf allen Seiten. Erkältung als Nachwirkung inklusive. Gehört zum ersten Grevet einer neuen Region, würde man sagen.
Thüringen – Normannstein
Zweiter Thüringer Jahrgang nach der Premiere 2025. Normannstein als Auftaktstrecke – eine der vier Burgen, die das Quartett 2026 strukturieren (Normannstein, Hanstein, Posterstein, Greifenstein).
Start- und Ziel war der Bahnhof der ehemaligen mittelalterlichen Reichsstadt Mühlhausen. Pünktlich um 9 Uhr bewegten wir uns vom Bahnhof zum geografischen Mittelpunkt Deutschlands in Niederdorla.
Die Sonne war mit uns, aber die Fahrt zwischen den Feldern war dennoch recht frisch. Die Gruppe rollte zusammen die alte Bahntrasse bis an die Werra, wo wir die Burg Normannstein aus weiter Entfernung über dem Werratal thronend sahen. Der Wind war gegen uns und die pulstreibende Auffahrt zur Burg wurde mit einem fantastischen Blick über das weite Werratal belohnt. Jetzt war Treppen zählen angesagt, um vom höchsten Punkt der Burg einen Schnappschuss zu machen. Nach erfüllter Aufgabe ging es runter an die Werra zurück und weiter nach Creuzburg.

Stetig bergauf fuhren wir durch die Buchenwälder im Nationalpark Hainich bis zum höchsten Punkt des Grevet. Die Erfrischung in der Hainichbaude hatten wir uns redlich verdient.

Abwärts rollten wir zur Stadt Bad Langensalza und durchquerten das Klagetor, einen Turm der historischen Stadtmauer. Schnell ein Foto gemacht und weiter zur wohlverdienten Eispause in Thamsbrück. Der Unstrut flussaufwärts folgend rollte die Gruppe mit Rückenwind zum Zielort zurück.


Österreich – Steiermark
Der österreichische Auftakt in der Steiermark, getragen von den Gravel Grinders Graz – Österreichs erstem Gravelverein, seit 2024 unter Obmann Philipp, der selbst den Supergrevet Wien–Berlin gefahren ist. GGG war schon bei der ersten Grevetserie 2021 beteiligt: mit der Graz–Wien Kürbiskernschnitzeljagd und als Checkpoint-Team beim Supergrevet Wien–Triest. Dazu das Wiener Scouting-Duo Nora (@unicorncycling) und Martin (#169krides). Die österreichische Serie führt dieses Jahr bis nach Slowenien und an die italienische Grenze. Der erste Schritt bleibt regional.
Treffpunkt: Lemur Bike Shop Graz, 10 Uhr. Der Wetterbericht hatte bis zuletzt wenig Anlass zur Zuversicht gegeben – Dauerregen, durchgehend grau, eher ein Fall für Verschieben als für Saisonauftakt. Selbst am Vortag noch diese Prognose. Am Morgen dann: Sonne. 13 Leute am Start, ein paar aus Wien, ein paar aus dem Burgenland, die meisten aus Graz. Erstmal: Toilettengänge, Garmin-Reboots, dieses kollektive Sortieren vor dem Losfahren. Am Ende ging es rund 20 Minuten später los als geplant.

Und dann direkt zur Sache. Kein Einrollen, kein langsames Herantasten: der längste und steilste Anstieg gleich am Anfang. Knapp 20 %. Bei einigen war der Saisonbeginn deutlich sichtbar. Oberschenkel melden sich, Puls auch. Kurz darauf das passende Gegenbild: das Arnold Schwarzenegger Museum. Davor die Statue – Beine, die genau das können, was man selbst gerade bräuchte.

Die Terminwahl erwies sich im Nachhinein als ziemlich gut getimt. Noch lagen Schneebruchschäden der letzten Wochen herum – nicht dramatisch, aber sichtbar genug, um zu zeigen, was hier kurz zuvor los war. Und wenn man sich anschaut, was an den Wochenenden danach kam – Wind, Sturmschäden, blockierte Wege – dann war dieser Tag fast ein kleines Fenster. Gute Bedingungen, bevor es wieder komplizierter wurde.
Johannes hatte New Bike Day. Das eigentlich Bemerkenswerte: erste Ausfahrt überhaupt auf dem neuen Bike – und dann direkt so eine Strecke. Währenddessen erzählt er nebenbei von Marokko, von Touren auf einem alten 26-Zoll-MTB, das wahrscheinlich mehr gesehen hat als die meisten modernen Setups. Das relativiert einiges. Material ist wichtig, aber nicht entscheidend.

Erfreulich: einige aus der Wiener Szene waren dabei. Graz trifft Wien, Gespräche entstehen nebenbei, ohne dass man sie planen muss. Nach etwa zwei Stunden zerfällt die Gruppe erwartbar: drei kleinere Gruppen, dazu ein paar Einzelfahrer:innen. Jede:r findet den eigenen Rhythmus.
In der Dämmerung der letzte Checkpoint, irgendwo versteckt im Kaiserwald, Lost Place. Und dort – ein junges Pärchen, offensichtlich mit anderen Plänen für diesen Ort.
Man fährt vorbei, stört kurz, alle merken es, niemand kommentiert es wirklich. Timing ist relativ. Für ein Date eher schwierig gewählt, für einen Kontrollpunkt ziemlich gut.
Das Wetter hielt lange. Erst kurz vor Graz erwischt es einige noch mit einem kurzen Schauer – nichts, was den Tag kippt, eher ein letzter Hinweis darauf, wie es eigentlich hätte aussehen können.
Was die sieben Auftakte zusammenhält
Sieben Regionen, sieben Terrains, eine Logik: gemeinsamer Start, eigenes Tempo, gescoutete Strecke. Der Unterschied zum GPX-Download ist, dass jemand jeden Meter selbst gefahren ist, bevor jemand anders ihn fährt.
Und trotzdem ist jede Region anders. Der Niederrhein war warm und gesprächig, rollig und flott trotz Hügeln – Saison als Versprechen, Eiskaffee und Kuchen als Versöhnungsangebote an schlaffe Winterbeine. Der Fläming still und lang, 50 Kilometer länger und 100 Höhenmeter mehr, aber vor allem deutlich mehr Gravel-Anteil – dieser spezifische Wechsel von Linien-Fahren und Alleinsein. Hamburg sonnig und gesprächig, mit dem Trompeter und dem Kaffeefahrer als bleibenden Bildern. Bayern mit Voralpen-Frühlingslicht und einer überraschenden Modelleisenbahn. Franken neu und urban-angebunden. Thüringen historisch getragen, mit Burg, Bahntrasse und Hainich. Österreich von Anfang an mit Schwarzenegger-Statue und Lost Place.
Das Quartett fängt in jeder Region anders an. Es endet überall mit derselben Frage: was macht Distanz mit dir, wenn du sie oft genug fährst? Nr. 1 gibt darauf die erste vorsichtige Antwort. Nr. 4 gibt sie vollständig. Dazwischen passiert das Eigentliche.
Noch ist das Fenster offen
Die meisten Zeitfenster für Grevet #1 laufen noch. Solo oder zu zweit, individuell fahrbar, im offiziellen Limit der jeweiligen Region. Wer zur Saisoneröffnung nicht dabei war: das ist Absicht des Formats. Grevet ist nicht auf den gemeinsamen Starttermin zugeschnitten – der Social Grevet ist die Einladung, der Rest der Saison ist das Format. Ostersamstag oder Messesamstag sind Angebote, nicht Termine.
Grevet #2 wartet bereits. Die Distanzen wachsen, die Fragen ändern sich.
Danke an die Teams in allen sieben Regionen – für eure Strecken, eure Zeit am Samstagmorgen, eure Art, das Format zu tragen. Wir sehen uns draußen.

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