Endlich herrscht Sommer in Dresden und im Gegensatz zu meiner letzten Grevet Challenge sollte es eine ziemlich trockene und heiße Angelegenheit werden. Schon die ganze Woche sind in Dresden über 30 Grad angesagt, der Wettergott meint es diesmal wohl ein bisschen zu gut mit mir. Am 19. 06. und damit an einem der längsten Tage im Jahr habe ich Grevet #3 unter die Räder genommen. Es sollte auch einer der wärmsten Tage werden.  

Freitagabend hieß es alle Vorbereitungen treffen, denn Samstag klingelt der Wecker 3:50 Uhr. Ich will so früh wie möglich los, um noch bei einigermaßen angenehmen Temperaturen die ersten Höhenmeter zu nehmen. Zwar ist die Streckenlänge mit 200km ähnlich zu Grevet #2, doch mit deutlich über 3000hm eindeutig anspruchsvoller.  

Los geht es 4:40 Uhr Richtung Startpunkt durch das fast leere Dresden, nur ein paar Nachtschwärmer sind noch in Dresdens Szeneviertel, der Neustadt, unterwegs. Nachdem die ersten Höhenmeter aus dem Elbtal raus geschafft sind, geht es als fliegender Start los zu Grevet #3. Der Weg führt bei toller Morgenstimmung über das Schönfelder Hochland in die Sächsische Schweiz. Nach ca 34km wartet der erste Anstieg und zeitgleich das erste Highlight. Durch malerische Felsmassive führt der Wettinweg von Wehlen zur bekannten Bastei. Hier herrschen noch angenehm kühle Temperaturen. Leider wird am Aussichtspunkt der Bastei gerade gebaut, aber zum Glück gibt es noch andere Punkte die sich für eine kleine Pause (nach 2h radeln) mit Aussicht anbieten. Nachdem ich mir fix ein Brötchen einverleibt habe, geht es auch schon weiter, noch liegt die Temperatur bei angenehmen 21°C. Mit rasantem Tempo rolle ich über den „Ziegenrücken“ wieder hinunter zu Elbe. Nach einem kurzen Stück Elberadweg und einer netten Begegnung mit 4 Ziegen setzte ich mit der Fähre über die Elbe nach Königstein. Hier fülle ich meine leere Flasche an einem kleinen künstlichen Wasserfall im Ort auf, das ist auch dringend nötig, denn für die nächsten 16km geht es erstmal nur bergauf.

Die Strecke führt am Quirl und Pfaffenstein vorbei und immer weiter Richtung Süden bis an die tschechische Grenze. Der Weg besteht zum Teil aus Waldautobahnen und ziemlich rauen Asphalt. Ich komme ganz schön ins Schwitzen und die Trinkflaschen leeren sich zusehends. Zum Glück habe ich mir als Reserve noch eine kleine Flasche hinten ins Trikot gesteckt, so dass ich 2l Flüssigkeit mitnehmen kann. Bei Km 74 wartet der erste Checkpoint am Taubenteich-Biwak. Hier gibt es neben einem offiziellen Biwakplatz auch eine Biwakhütte, welche von Architekturstudenten entworfen wurde. Nach kurzer Pause rolle ich zunächst bergab Richtung Cunnersdorf nur um dann direkt wieder bergauf zu fahren und am Gohrisch, Papststein und Kleinhennersdorfer Stein vorbei zu strampeln. Auf den freien Flächen ohne schützenden Wald drückt die Hitze schon unangenehm. Anschließend führt eine kurze und schnelle Abfahrt nach Bad Schandau. Hier, bei Km 84, habe ich eine größere Pause geplant, die ist auch dringend notwendig, denn meine Flaschen sind komplett leer und die Temperatur klettert gegen 10 Uhr schon auf 28°C. Im örtlichen Supermarkt decke ich mich mit ausreichend Flüssigkeit ein und genehmige mir noch eine Apfeltasche und eine Quarktasche. Außerdem findet eine Salatgurke den Weg in die Trikottasche, als essbarer Durstlöscher eine sehr gute Wahl.  

Jetzt steht der härteste Abschnitt dieser Route an, auf 55km müssen 1400hm bezwungen werden. Schon der erste Anstieg von Kohlmühle hat es in sich, 18% und mehr warten. Bei gefühlten 35°C in der Sonne für mich zu viel. Ich entscheide mich, Körner zu sparen und lieber abzusteigen, immerhin warten noch etliche Anstiege auf mich und die Wärme wird noch zunehmen. Schon jetzt zerfließe ich förmlich. Das Schwarzbachtal rollt anschließend hervorragend leicht bergab und im schattigen Tal kühlt der Fahrtwind ein wenig. Leider verpasse ich hier Checkpoint 2, da ich den zweiten Tunnel für die Aufgabe nicht bemerkte. Um aus dem Tal wieder rauszufahren wartet die nächste Rampe mit 15% und Schotter. Der anschließende Panoramaweg rollt zwar auch nicht so super entspannt, belohnt aber schon einmal mit Blick Richtung Schrammsteine, dem nächsten Highlight der Route.  

Nach einer kurzen und steilen Abfahrt ins Kirnitzschtal geht es auch direkt wieder aus diesem raus und in den Anstieg Richtung Schrammsteine. Ich folge dem offiziellen Radweg im Nationalpark Sächsische Schweiz und werde mit einer atemberaubenden Kulisse für die bisherigen Anstrengungen belohnt. Aber ausruhen kann ich mich hier nicht, denn es geht die ganze Zeit munter hoch und runter und der Schweiß läuft nur so in Strömen. Die Temperaturen sind über Mittag locker über 30°C gesprungen. Der Inhalt meiner Flaschen wird auch zunehmend leerer und der essbare Durstlöscher ist auch fast aufgebraucht. Pünktlich mit leeren Flaschen erreiche ich wieder das Kirnitzschtal. An der Neumannmühle fülle ich meine Flaschen auf und wasche mir den Schweiß und Dreck von Armen, Beinen und Gesicht und schmiere mir nochmals ordentlich Sonnencreme in den Nacken und auf die Arme.  

Ich kurbel das Kirnitzschtal hinauf nach Hinterhermsdorf und ich zerfließe schon wieder in der Sonne, warum habe ich mich eigentlich gerade gewaschen?! Beim Anstieg zum Wachberg und somit zu Checkpoint 3 sterbe ich gefühlt in der Hitze, 1.5km mit knapp 10% Steigung bei über 30°C. Oben angekommen entlohnt die offene Baude und der Ausblick aber für diese Schinderei. Ich entschließe mich hier eine längere Pause einzulegen und mir eine Kleinigkeit zu gönnen. Der Wind hier oben lässt mein Trikot zum ersten Mal heute wieder trocknen. Rund um das Gebäude sind Holzfiguren aufgestellt und besonders freue ich mich, als ausgesprochen großer Harry Potter Fan, über Dobby den Hauselfen.

Nach ca 1h Pause und gegen 15:00 Uhr fahre ich weiter. Bis Sebnitz rollt es ein kurzes Stück bergab, von dort geht es vorwiegend wieder bergauf in den Norden Richtung Lausitz und zum letzten Berg, den Valtenberg. Leider hat die Baude auf dem Valtenberg schon geschlossen, obwohl sie noch 20 min (bis 17:00 Uhr) geöffnet haben müsste. Da musste der Wirt wohl dringend zum Fußball gucken… Eigentlich wollte ich meine Trinkflaschen nochmals füllen, denn mit nur einer vollen Flasche wird es ein bisschen eng bis nach Hause, auch wenn es ab jetzt theoretisch „nur noch bergab“ geht.  

Ich freue mich über die bevorstehende Abfahrt und lass meinen Scotty laufen, auch wenn es hier und da ein wenig schottriger ist und die Steine unter den Reifen wegspringen. Im Dorf unten angekommen, nehme ich die Kurve von der asphaltierten Straßen zum schottrigen Weg mit Schwung. Ich merke wie sich der Reifen vorn über einen Stein walkt, der Stein springt weg, knallt noch gegen die Felge und plötzlich höre ich ein leises „Pfff pfff pfff“ mit jeder Umdrehung. Mist! 40 km vor Ende Reifenpanne. Der Stein war offensichtlich scharfkantig und hat schräg an der Reifenseite eingeschnitten, wo die Dichtmilch nicht richtig wirken kann. Ich baue fix das Vorderrad aus und pumpe fleißig und drehe das Rad in alle Richtungen bis ich plötzlich Dichtmilch sehe. Tubeless und Dichtmilch sei Dank ist das Loch im Nu wieder verschlossen.  

Weiter geht’s ein wenig wellig Richtung Ziel. Meine letzte Flasche neigt sich langsam dem Ende entgegen, doch so richtige Auffüllmöglichkeiten ergeben sich nicht. Der Weg führt mich durch ein kleines Bauerngut, wo ein älterer Herr gerade Heu wendet. Spontan frage ich nach Wasser und er füllt mir meine beiden Trinkflaschen auf und wünscht mir noch eine gute Heimfahrt. Von jetzt an rollt es immer gemächlich bergab, einige dunkle Gewitterwolken ziehen aber herauf und es fängt an ein wenig zu grummeln.  

Im Wesenitztal angekommen führt die Route entlang eines traumhaften kleinen Pfades. Checkpoint 5 ist gegen 19:00 Uhr erreicht. Leider wurde die Schaukel entfernt, ob aus Sicherheitsgründen oder Vandalimus kann ich leider nicht sagen. Bis vor ein paar Wochen hing sie dort auf jeden Fall noch. Es donnert immer noch aus der Ferne und um nicht doch noch von einem Gewitter oder Regen überrascht zu werden, mobilisiere ich meine letzten Reserven und fahre über das Schönfelder Hochland zurück zum Ausgangpunkt der Route. Nach 210km, 3500 hm und 15h ist Grevet #3 Geschichte. Ich bin ziemlich fertig und verschwitzt, aber auch ein bisschen stolz auf mich. Gemütlich rolle ich noch nach Hause und freue mich schon auf Grevet #4.

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