Grevet Nummer 2 stand auf dem Plan. Eigentlich hatte ich dafür Himmelfahrt auserkoren, sollte das ganze doch ein kleines Himmelfahrtskommando Richtung Mond werden. Leider hat Petrus nicht mitgespielt und jede Menge dicke Regenwolken geschickt. Der schnelle Blick aufs Wetter verrät aber, dass Samstag ein guter Tag zum Radeln wird, lediglich für Nachmittag sind kurze Schauer gemeldet.  

Meinen freien Freitag habe ich dann für die Vorbereitungen genutzt: Route checken, Pausen planen, (immerhin geht’s ja nach Brandenburg…), Scotty vorbereitet, Luftdruck geprüft, Fotorahmen gebastelt und Energiebomben selbstgemacht. Die Abfahrt habe ich für Samstag früh 6:00 Uhr geplant, also lieber abends schon das Frühstück für morgen vorbereiten und die Trinkflaschen füllen. Die Idee gleich in Radklamotten zu schlafen, habe ich dann aber doch wieder verworfen… 

Fast pünktlich 6:05 sitze ich dann auf dem Rad und es geht Richtung Startpunkt, der ist zum Glück nur 5 min entfernt. Fast sofort verlasse ich die Straße und der Weg führt entlang der Flutrinne der Elbe Richtung Radebeul. Der Morgentau und der recht schmaler Weg sorgen das erste Mal für feuchte Schuhe. Im Lößnitzgrund herrscht einmalige Morgenstimmung, da hat sich das zeitige Aufstehen gelohnt. Die Sonne steht noch tief und bahnt sich ihren Weg durch das dichte Grün der Bäume, fehlt eigentlich nur noch die Dampflok.  

Durch die Regenfälle der letzten Tage stehen die Wiesen um den Dippelsdorfer Teich teilweise unter Wasser, da kann ich an meinen Wasserdurchfahr-Skills arbeiten. Im Moritzburger Wald und bis zum Checkpoint #1 rollt es dann ein wenig besser, auch wenn hier der Boden noch recht feucht und weich ist und die ein oder andere Pfütze wartet. Nach 1:00h habe ich dann den Checkpoint #1 erreicht. Fix ein Foto geschossen, noch ein Schluck getrunken und weiter geht’s.  

Weiter geht’s gen Norden. Die Route führt durch kleine verschlafene Dörfer, die mit schönen Gravel-Abschnitten verbunden sind. Aber auch hier haben die Regenfälle ihre Spuren hinterlassen und Pfützen überziehen etliche Wege. Kurz kommen Kindheitserinnerungen hoch: mit Anlauf rein in die Pfütze und dann feststellen, dass das doch ganz schön nass von unten ist. Zum Glück trocknet die Sonne alles schnell wieder. Von Lindau bis Lauchhammer führt der Weg entlang von Feldern, die mit Bäumen gesäumt sind, einer der schönsten Abschnitte der ersten Streckenhälfte. 

In Brandenburg angekommen stand nach 63km die erste größere Pause an, um die Flaschen und mich selbst aufzufüllen, immerhin geht es jetzt Richtung Mond, da wird Energie gebraucht. Ab Lauchhammer wird es zunehmend sandiger und die Mondlandschaft kommt immer näher und ehe ich mich versehe, bin ich schon mitten drin. Der Sand ist auch hier noch feucht und erschwert ein wenig das vorankommen, aber trotz allem rollt es sich hier hervorragend. Verwundert stelle ich fest, dass es auch auf dem Mond jede Menge Wasser gibt. Ist Leben in Brandenburg auf dem Mond doch möglich? Für die Aufgabe von Checkpoint #2 hat man einige Kilometer Zeit und irgendwo im nirgendwo ist der perfekte Platz gefunden und ich steige von meinen Scotty ab und betrete als erste Graveleurin den Mond. Ein heroisches Gefühl stellt sich ein, nur ich, mein Rad und jede Menge Nichts.

Weiter führt mich mein Weg über asphaltierte Fahrradwege entlang der Tagebauseen rund bis Senftenberg. Pünktlich 12 Uhr komme ich in Senftenberg am Markt an, mein geplanter zweiter längerer Stopp. Beim Bäcker wird ordentlich mit Kuchen und belegten Brötchen aufgefüllt. Außerdem müssen auch die Flaschen spätestens hier wieder gefüllt werden, denn bis Radeburg kommt nichts mehr.

Als ich wieder aus Senftenberg losfahre, sehe ich vor mir eine dicke schwarze Wand, hmm so zeitig war der Regen gar nicht angesagt. Ab jetzt führt der Weg vorallem durch Wälder, außerdem verlasse ich das flache Terrain und es geht langsam aber stetig bergauf. Der Wettergott scheint auf meiner Seite zu sein und der Regen erwischt mich immer nur für wenige Minuten. Die Waldwege sind dafür umso schlammiger und teilweise ziehen sich die Pfützen quer über den ganzen Weg. Mit den Semislickreifen auf meinem Scotty ist das zwischenzeitlich eine ganz schöne Rutschpartie.

Mit dem Keulenberg wartet auf dem letzten Tourendrittel eine richtige Bergwertung. Oben angekommen heißt es kurz ausruhen, bevor ich den Aussichtsturm erklimme und die Aufgabe für Checkpoint #3 absolviere. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick, aber sowohl vor als auch hinter mir sehe ich einige dicke Regenwolken. Der Wettergott soll aber weiterhin auf meiner Seite bleiben, so richtig nass von oben werde ich nie. Die Abfahrt vom Keulenberg ist eine ziemliche Schlammschlacht und dem Material merkt man das langsam an: die Kette knarzt und die Bremsen quitschen. In Radebergfülle nochmal meine Flaschen auf, um nicht Gefahr zu laufen auf den letzten 25km trocken zu laufen.

Weiter geht es das Seifersdorfer Tal entlang auch hier hat sich der Weg in die reinste Schlammpiste verwandelt. Wanderer rufen mir „Viel Erfolg“ zu und so kämpfe ich mich mit Scotty durch die Pfützen und den Schlamm. Mitten im Tal findet sich auch ein Altar der Teil von Checkpoint #4 ist. Eine kleine asphaltierte Rampe führt raus aus dem Seifersdorfer Tal. Die Route führt anschließend kurz in die Dresdner Heide und über den sandigen Heller auf den Trümmerberg. Von hier oben hat man eine tollen Blick über Dresden. Schnell noch ein Foto geschossen uns somit Checkpoint #5 abgehakt. Jetzt rollt es nur noch bergab in die Dresdner Neustadt.

Geschafft, mein erster Solo 200er. Grevet #2 erfolgreich absolviert. Für mich und Scotty geht jetzt unter die Dusche, wir sehen aus wie kleine Dreckschweine.

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