Bericht aus dem Fahrer:innenlager

Die erste Woche der Grevet-Challenge #1 ist inzwischen vorüber. Da die Pandemie (Gruppen-) Radsport aktuell unmöglich macht, missen selbst die Kurbeln der Profis viele Umdrehungen. Gleichzeitig können andere ihre durch Homeoffice, Schichtdienst oder berufliche Umbrüche neu gewonnene Freiheiten nutzen. So kam die Grevet Idee einer großen Anzahl von Grandonneurter:innen offenbar sehr gelegen, lässt sich doch so die Corona-Tristesse mal einen Tag lang vergessen. Stattdessen kann man einfach etwas Neues ausprobieren. Alle meisterten bisher unsere kleine mit Spiel, Spaß und Spannung gewürzte Herausforderung. Was genau gibts aus dem Grevet Fahrer:innenfeld zu vermelden?

Ob Damen, Herren, Sportler, Genießer, Raser oder Kulleure: auf Gravelbikes, Abenteuer-Maschinen und MTB-Hardtails stellten sich die ersten Grandonneur:innen aller Coleur en solo oder duo der ersten Tour und gaben erheiternde wie motivierende Feedbacks. Mit Start am Karfreitag, den 2. April, wurde vielerorts das Oster-Wochenende genutzt.

Dabei herrschten besonders in Dresden noch epische Wetterbedingungen, die weit über das übliche Aprilwetterchaos hinaus gingen. Im Grevet-Duo absolvierten Linda und Nicole trotz guter Langlauf-Ski-Bedingungen am Kahleberg – dem Höhepunkt von Grevet #1 im Ost-Erzgebirge auf 905,1 müNN – die Tour und waren begeistert von Strecke, Challenges und der gebotenen Vielfalt um Dresden. Wir hingegen sind stolz, dass Beide die Strecke und allen Widrigkeiten (Schneeverwehungen) zum Trotz mit Freude gemeistert haben!

Laufwunder hingegen hatte in Berlin gute Wetterbedingungen, aber im Vorlauf der Tour doch einiges durchzustehen. Nach glücklich durchgestandener Corona-Erkrankung saß er endlich wieder auf dem Rad. Erst zweifelte er, ob er schon wieder bereit ist, doch am Ende lief es so gut, dass er nach Passieren der Ziellinie sogar noch weiter und mit Rad statt (wie geplant) der Bahn von Potsdam aus nach Hause fuhr. Ganz tolle Leistung!

Bruno und Christoph waren das erste Duo-Team auf unserer Finisher-Liste. Über ihre Insta-Stories vermittelten sie einen Liveeindruck von der Strecke, den Checkpoints und Ihren Erlebnissen. Es hat wirklich Spaß gemacht hier direkt mitgenommen zu werden! Bei David kam außerdem noch eine Tonspur hinzu, er fand in seiner Story jeweils die passenden Musikstücke, um die Atmosphäre der einzelnen Abschnitte einzufangen: vom sphärischen Klang bei Sonnenausgang, bis zur flott beswingten Schotterabfahrt.

Experimentierfreudig war auch Rainer, der eine ungewöhnliche neue Bib direkt auf einer Langstrecke testete, was ja gerne mal in Problemen enden kann. Tatsächlich lief hier aber alles gut und am Ende waren ihm die 150km gar nicht genug. Die Bib scheint eine Empfehlung wert zu sein und hat damit wohl auch gleich den Probelauf für den 300km Grevet bestanden!

Die letzten 30 Kilometer sind immer die zähsten und auch zwischendurch gilt es immer mal wieder kleine mentale Widerstände überwinden – das haben Constance und Fritz gelernt, die die Berliner # als Duo absolvierten. Dafür haben sie geheime Orte erkundet wissen jetzt sogar wo die DDR-Antiterroreinheit den Häuserkampf geübt hat. Vor allem aber können sie das gar zur stehenden Wendung gewordene Missverständnis, dass Hamburg eine Perle sei korrigieren. Nein: „Brandenburg is einfach ne Perle!“.

Markus D. stieß unterdessen auf ein weiteres skurriles Highlight der Berliner Strecke, als er sich kurz vor Potsdam plötzlich inmitten einer stattlichen Bisonherde wiederfand. Vielleicht wären die Grevet-Herausforderungen auch etwas für den Oberbison Herkules? Dessen Namen verspricht ja einiges und gegen die zwölf Aufgaben des Herkules sind unsere nur ein Klacks! Ganz nebenbei hat Markus mit Grevet #1 (+ Rückfahrt) seinen ersten 200er überhaupt absolviert – noch dazu direkt im Gelände. Original Long Distance eben! Wir gratulieren!

Gebeutelt von Wind, Regen und Schnee, gefordert von brandenburgischem Sand und sächsischen Höhenmetern, versöhnt in Sonnenschein und Rückenwind eint die Grandonneur:innen bisher ein glückliches Raderlebnis.

Navigationsproblemen vorbeugen

So sich das emotionale Gewitter im Gravel-Olymp wieder gelegt hat gibt’s zu protokollieren, dass mancherorts Strecken-Highlights oder Checkpoints/Challenge-Standorte verpasst wurden. Dies ist schade, da dies schöne Momente kostet, fernab der puren Streckenabweichung. Denn Grevet ist mehr als nur Kopf runter und Linie abfahren! Über die Schnitzeljagd sollen Grandonneure sich auch mit ihrer Umgebung auseinandersetzen um Land & Leute kennenlernen.

Trotz Navigation und exakter Route auf digitalen Reisebegleitern ist eine imaginäre Flurbegehung zum Kennenlernen der Strecke, Checkpoints und der Versorgungslage (Points Of Interest) vor Abfahrt sehr zu empfehlen. Generell können auch nicht alle Geräte diese direkt anzeigen, speziell Wahoo steht hier im Ruf Probleme zu verursachen. Ein praktisches Werkzeug im Vorfeld ist z. B. der kostenlose und anmeldefreie CXB Routenplaner, da dieser POIs anzeigen kann. Kommerzielle Tools löschen diese dagegen meist. Klickt im Planer einfach auf Import/ Track laden und Ihr bekommt anschließend eine gut strukturierte Streckenübersicht mit den relevanten Punkten und Oberflächenverhältnissen (Schotter wird hervorgehoben) angezeigt.

Import der .gpx Datei
Anzeige der POI in ShowGPX © OpenStreetMap contributors

Druckt Euch notfalls auch den Streckenplan mit den Kilometerangaben der Checkpoints aus, damit Ihr nichts verpasst! Plant auch grob Eure Verpflegungspunkte vor, besonders an Sonn- und Feiertagen. Dann müsstet Ihr nämlich eher auf 24h Stunden Tankstellen und Imbisse als die urige, aber geschlossene Dorfbäckerei ausweichen. Mithilfe der POIs solltet Ihr eigentlich keinen der Orte mehr verfehlen und Eure Dokumentation vollständig einreichen zu können.

Wir danken Nicole, Bruno und Markus für die Freigabe ihrer Fotos

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